• vom 26.07.2016, 14:02 Uhr

Klassik/Oper

Update: 26.07.2016, 21:11 Uhr

Salzburger Festspiele

Der Götterfunken leuchtet auch im tiefsten Abgrund




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Judith Belfkih


    Es ist nach wie vor ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Der Concentus Musicus spielt und am Pult steht nicht: Nikolaus Harnoncourt. Es ist ein Anblick, der schmerzliche Realität ist und bleiben wird. Nach dem Tod des Ensemble-Gründers und zu Lebzeiten einzigen Dirigenten im März ist der Concentus gezwungen, ein Leben ohne Harnoncourt zu beginnen. Einen wichtigen Schritt auf diesem Weg unternahmen die Musiker am Montag bei den Salzburger Festspielen. Dort hatte Harnoncourt eine Wiederbegegnung mit Ludwig van Beethoven begonnen, die er mit der Neunten vollenden wollte. Mit Andrés Orozco-Estrada am Pult wurde der Abend nun zu einem Gedenkkonzert für einen Künstler, der den Festspielen gut zwei Jahrzehnte lang "wahrhaft Unerhörtes geschenkt hat", wie es Präsidentin Helga Rabl-Stadler formulierte.

    Die Energie und Entschlossenheit, mit dem Orozco-Estrada sich in diesen Giganten unter den Symphonien stürzte, hätte Harnoncourt wohl gefallen. Rasante Tempi, harsche Konturen, effektvoll gesetzte Generalpausen prägten die ersten beiden Sätze. Als entrückt selige Insel formte er den dritten um die Finale "Ode an die Freude" als aufrichtigen Hoffnungsruf einer in Misslage befindlichen Welt zu gestalten.

    Information

    Konzert
    Concentus Musicus
    Andrés Orozco-Estrada
    Großes Festspielhaus

    Auch wenn nicht jede Idee Früchte trug: Dem Kolumbianer gelang eine charaktervolle Lesart. Die Lücke, die Nikolaus Harnoncourt hinterlassen hat, ist nicht zu schließen. Diese respektvoll traurige Erkenntnis stand über dem Abend. Der Concentus setzte gerade deshalb ein entschlossen vitales Lebenszeichen.





    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-07-26 16:56:03
    Letzte nderung am 2016-07-26 21:11:44



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Künstler würdigten Falco mit Tribute bei Donauinselfest
    2. testament
    3. Eine Sommernachtsrobengala
    4. berühmt & berüchtigt
    5. Ö1 nimmt Bernhard Trebuch vom Sender
    Meistkommentiert
    1. Die Konferenz der Vögel
    2. Islamophobie ist ein Kampfbegriff
    3. testament
    4. Gegen jede Regel
    5. Anus anum amat

    Werbung




    Am Montagabend feierte Michael Haneke mit "Happy End" zum siebenten Mal Weltpremiere im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes.

    Monica Bellucci war die Gastgeberin beim Auftakt des Festivals: Eine ehrenvolle Rolle, bei der man durch den Gala-Abend führt. Entsprechend chiczeigte sich die inzwischen 52-Jährige. Fesselndes am letzten Wochenende in Krems: "Durational Rope" von Quarto brachten Seile unter anderem zum Tanzen.

    Blixa Bargeld und eines seiner Instrumente. Regisseur Wolfgang Murnberger (l.) mit Josef Hader ("Wilde Maus") und Schauspieler-Kollegin Pia Hierzegger.


    Werbung