• vom 24.01.2017, 16:21 Uhr

Klassik/Oper

Update: 24.01.2017, 16:35 Uhr

Opernkritik

Der doppelte Don




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  • Mozarts "Giovanni" mit prominentem Schurken-Duo an der Staatsoper.

Cremige Klangfülle: Keenlyside als Giovanni.

Cremige Klangfülle: Keenlyside als Giovanni.© Staatsoper/Pöhn Cremige Klangfülle: Keenlyside als Giovanni.© Staatsoper/Pöhn

(irr) So richtig glaubwürdig wirkt es eigentlich nie: Um seine Flirtfreiheit wiederzugewinnen, schafft sich Don Giovanni den Klotz Elvira mit einer Maskerade vom Hals. Im Schutz der Dunkelheit tauschen der Don und sein Diener Kleidung; sieh da, schon gelingt es Leporello, die Dame in erwünschte Fernen fortzuturteln. Seltsam nur: Müssten sich die beiden Trickbetrüger dafür nicht in puncto Stimme, Auftreten und Körperbau fast gleichen?

An der Staatsoper macht es derzeit nahezu den Eindruck. Das liegt einerseits daran, dass die zwei Herren in der (mediokren) Regie von Jean-Louis Martinoty aus dem Jahr 2010 meist ähnlich gekleidet sind. Vor allem aber vermittelt die aktuelle Besetzung das Bild eines doppelten Don. Nominell ist Simon Keenlyside in der Rolle tätig: ein entschlossener Lüstling, der die Damenwelt mit seiner cremigen Klangfülle unterwirft. Und da ist Erwin Schrott, nominell als Diener. Man muss ihn nicht jüngst im Theater an der Wien als Giovanni gesehen haben, um seine Befähigung zur hormonlastigen Titelfigur zu erahnen. Wenn Schrott an der Staatsoper die Leporello-Arie mit souveränem Ritardando durchschlendert, meint man, einen Don Juan beim Eigenlob zu lauschen. Kurz: Der Diener wird hier zum Schürzenjagdgefährten aufgewertet - quasi eine Regiepointe aus dem Besetzungsbüro.

Information

Oper
Don Giovanni
Wiener Staatsoper (01/5131513)
Wh.: 26. und 29. Jänner

Das hat auch anderweitig gute Dienste geleistet: Als Ottavio mischt Benjamin Bruns metallische und süßgaumige Töne (meist) subtil, Dorothea Röschmann verleiht der verlassenen Elvira Ecken und Kanten und fliegt dabei ebenso wenig aus den Koloratur-Kurven wie Ileana Tonca als aparte, wenn auch nicht immer ganz taktsichere Zerlina. Hut ab vor der Inbrunst der neuen Donna Anna, wiewohl die Präzision von Irina Lungu im Laufe ihres Debütabends leider schwindet. Kleine Unschärfen auch im Staatsopernorchester; unter Adam Fischer hält es die Mozart-Partitur aber elegant im Fluss und findet dabei zu kostbaren Augenblicken seidiger Transparenz.





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Dokument erstellt am 2017-01-24 16:26:07
Letzte ─nderung am 2017-01-24 16:35:52



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