• vom 06.03.2017, 16:40 Uhr

Klassik/Oper


Konzertkritik

Der beschwingte Charme des Trauergesangs




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief






    (irr) Auch das ist schon wieder ein Jahr her: Am 5. März 2016 ist Nikolaus Harnoncourt verstorben, der große Neuerer der Alten Musik. Diese Größe ermisst sich auch daran, dass die Leistungen des Charismatikers bis heute Nachhall finden. Harnoncourts Ansatz (grob gesagt: Großbesetzungen entschlacken, zum Werkkern vordringen und diesen gewissermaßen an eine Steckdose der Dringlichkeit anschließen) hat etliche Nachfolger auf den Plan gerufen. Zudem existiert bis heute jene Petrischale, in der einst der Keim für diesen Stil entstanden ist: der Concentus Musicus. In den 1950er Jahren von Harnoncourt gegründet, war er bis zum Tod des Dirigenten dessen bedingungsloses Vollzugsorgan.

    Fast schon beiläufige Eleganz
    Noch heute bespielt dieser Concentus den Musikverein. Zwar nicht mehr im Großen, sondern im (gut gefüllten) Brahms-Saal tätig, macht er am Samstagabend den Eindruck eines charmanten Kompetenzzentrums für Alte Musik. Erstaunlich dabei: Konzertmeister Erich Höbarth scheint als Leiter weniger auf Spannungs-Extreme abzuzielen als auf eine fast beiläufige Eleganz. Ein Vorteil bei der Erstbegegnung mit Unico van Wassenaers fünftem "Concerto armonico": Der Niederländer (1692-1766) hatte ein feines Händchen für Ziselierungen und Synkopen. Mit dem nötigen Schmiss saust man dann durch vier Vivaldi-Streichkonzerte, bevor das Hauptwerk des Abends erreicht ist, nämlich das "Stabat Mater" von Luigi Boccherini: Der edelbittere Sopran von María Hinojosa Montenegro leistet hier intensive Trauerarbeit, während sieben Concentus-Musiker einen teils aschfahlen, teils auch beschwingten Hintergrund ausgestalten. Freundlicher Applaus.


    Konzert

    Concentus Musicus

    Musikverein, Brahms-Saal




    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-03-06 16:45:08



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. "Nicht mit uns"
    2. Kein "Irrer mit der Bombe"
    3. "Das ist Wahnsinn"
    4. Problemzone Stammtisch
    5. 152 rasante Minuten mit Laserschwert
    Meistkommentiert
    1. Die Kamera als Schutz
    2. "Ohne Polen kollabiert London"
    3. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
    4. Beethoven-Skulptur in Wien enthüllt
    5. Zu kurzsichtig

    Werbung




    CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

    Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

    Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.


    Werbung


    Werbung