• vom 08.03.2017, 15:23 Uhr

Klassik/Oper

Update: 08.03.2017, 16:05 Uhr

Konzertkritik

Die Präzision des Bösen




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Paavo Järvi fesselt im Konzerthaus mit Schostakowitsch.

(irr) So sicher sich die Programmheftschreiber heute sind: Beweisen lässt es sich nicht, dass Dmitri Schostakowitsch in seiner Zehnten Symphonie das eigene Überleben gefeiert hat. Naheliegend ist es aber schon. Das Werk ist knapp nach dem Ableben Stalins entstanden, und der hatte den Tonsetzer öffentlich demütigen lassen - was einer Morddrohung gleichkam. Dann aber der Tod des allmächtigen Tyrannen - und danach eine Symphonie, in der Schostakowitschs Initialen immer wieder musikalisch aufblitzen, erst unauffällig eingewoben, dann offener, zuletzt fast schon triumphal: D-Es-C-H.

Paavo Järvi dirigiert diese Partitur zwischen Mahler und Moderne derzeit auf einer Tournee, und er beweist damit zweierlei. Erstens, dass es sich lohnt, Vorurteile gegenüber Fernost-Ensembles zu überdenken. Das NHK-Sinfonieorchester Tokio, seit 2015 unter der Leitung des Esten, arbeitet mit der Spritzigkeit eines Klasse-Orchesters. Zweitens: Der perkussive Ansatz, mit dem der studierte Schlagwerker Järvi bereits Beethoven neu gesichtet hat, macht sich abermals bezahlt. Die monströsen Märsche der Zehnten wüten hier in einem kristallklaren Klangbild; die brutalen Blechsalven des Scherzos (angeblich ein Stalin-Porträt) treffen mit konzentrierter Schärfe ins Mark. Wobei: Diese Rhythmus-Präzision kann der Musik auch zum Gefängnis werden. Die Jubeltöne des Finales, sie strömen hier nicht frei. Absicht? Ein reines Vergnügen dagegen das Sibelius-Violinkonzert: Janine Jansen versorgt die drei Sätze mit einer Energie und Leuchtkraft, als wäre sie nicht an der Geige, sondern an der Starkstromleitung tätig; das Orchester erklimmt ganze Gebirgsketten an Spannungsgipfel und lässt die Täler dazwischen reizvoll schillern.

Information

Konzert
NHK-Sinfonieorchester Tokio
Wiener Konzerthaus





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-08 15:27:06
Letzte nderung am 2017-03-08 16:05:59



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. liebe
  2. Betörende Brautschau
  3. Pop als Kunstwerk
  4. Eskalation im Pazifik
  5. Der Familienkombi im Zeugenstand
Meistkommentiert
  1. Peter Turrini mit Kulturpreis des Landes Kärnten ausgezeichnet
  2. Beethoven-Skulptur in Wien enthüllt
  3. Ist da jemand?
  4. Zu kurzsichtig
  5. Ein ewiger Anfänger

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.


Werbung


Werbung