• vom 16.03.2017, 16:04 Uhr

Klassik/Oper


Liederabend

Ein Klavier voller Extravaganzen




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Von Christoph Irrgeher


    Ein Liederabend ist eine ernste Angelegenheit. Vor einem schwarzen Flügel aufgestellt, singt ein Künstler Werke des klassischen Kanons. In den Pausen dazwischen ist Stille geboten - und Beifall nur dann erlaubt, wenn das nächste Stück von einem anderen Tonsetzer stammt. Der Klang ist König. Die Konzentration Königin.

    Narreteien en masse
    Patricia Petibon sieht das etwas anders. Für die Französin mit den lodernden Koloraturen ist der Liederabend ein Freispiel: Statt einer Opernregie zu folgen, lässt sich hier lustvoll selbst inszenieren. Im Konzerthaus dient der Flügel nicht nur der (gesangssynchronen und lebhaften) Klavierbegleitung Susan Manoffs, er ist auch Stauraum für diverse Sperenzchen. Ein Schifflein, das die grazile Sängerin im (anfangs) rosa Funkelkleid zu einem Sehnsuchtslied wiegt; eine Schnur, die sie ins Publikum wirft und zur Telefonleitung spannen lässt; ein Gartenzwerg, vor dem sie als Hexe herumhumpelt und sich überhaupt durch Disneys "Schneewittchen" grimassiert, bevor der Filmhit "Someday my Prince will come" folgt. Narreteien en masse!


    Doch soll sie ihren Grillen nur Futter geben - solange sie eine Stimme hat, die Steinbrüche schmelzen könnte. Petibons Sopranchangiert (etwa bei Samuel Barber) zwischen Glasorgel-Zartheit und Sirenen-Wucht, er wispert und wütet in Francis Poulencs "Sanglots" geschmeidig, jubelt punktgenau in "Granada", entwickelt in Carlos Guastavinos "Die Rose und die Weide" einen narkotischen Duft und lässt mit Norbert Glanzbergs immer wilder wogendem Chanson "Padam Padam" das Herzblut rauschen: eine Überwältigung.

    Konzert

    Patricia Petibon

    Konzerthaus, Mozartsaal




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-03-16 16:09:03



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