• vom 20.03.2017, 19:02 Uhr

Klassik/Oper

Update: 20.03.2017, 19:22 Uhr

Konzertkritik

Körper ohne Seele




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Katharina Wappel

  • Andris Nelsons dirigierte die Wiener Philharmoniker.

Antonín Dvořáks Konzert für Violoncello und Orchester in h-Moll und Beethovens Sechste Symphonie standen am Wochenende im Musikverein auf dem Programm. Anerkennung gebührt in erster Linie dem Solocellisten Tamás Varga, der das Dvořák-Konzert in hinreißend poetischem Gewand präsentiert, mit viel Liebe zum Detail. Leichtigkeit, satter Klang und eine fundierte Interpretation begeistern die Zuhörer im Goldenen Saal. Glanzvoll seine Stilsicherheit, mit viel Vehemenz strömen die Töne in allen Lagen aus dem Instrument. Die Kraft, die aus dialogischem Spiel mit dem Orchester erwächst, entschwindet jedoch beizeiten. Die Philharmoniker müssten dafür weniger folgen und mehr antworten. Nelsons übersieht hier noch zu viel - vielleicht ist er auch für Vargas Werkdeutung nicht empfänglich.

In Beethovens "Pastorale" vermisst man dann ein klares Konzept. Zwar steht jeder Einzelteil schön für sich im Raum, doch das Ganze schwebt in der Undeutlichkeit und verschwimmt gar zu oft zu einer konturenlosen Breiigkeit.

Information

Wiener Philharmoniker

Tamás Varga (Cello)
Andris Nelsons (Dirigent)
Musikverein

Ein grundlegender Esprit mag angedacht sein, entzieht sich indessen der Wahrnehmbarkeit. Nelsons zeigt sein musikalisches Konzept, das der Musik, neben dem schönen und stimmigen Körper, auch noch die Seele verleiht, nur unzureichend. Die wundervollen Einzelelemente wollen sich nicht zu einem stimmigen Ganzen fügen, das Werk hängt, wo es voranschreiten sollte. Was bleibt, ist Musik in einem ansprechenden Äußeren. Immerhin. Lang anhaltenden Beifall gibt es dafür jedenfalls.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-20 16:57:03
Letzte nderung am 2017-03-20 19:22:54



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wie gewonnen, so verschwunden?
  2. Kein "Irrer mit der Bombe"
  3. Heiter dem Tausender entgegen
  4. "Nicht mit uns"
  5. Bob Dylan kommt nach Österreich
Meistkommentiert
  1. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  2. Die Kamera als Schutz
  3. "Ohne Polen kollabiert London"
  4. Nothung, neidliches Brotmesser
  5. Unter Druck

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.


Werbung


Werbung