• vom 23.03.2017, 17:13 Uhr

Klassik/Oper


Interview

"Eigentlich kannst du nur versagen!"




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Von Christoph Irrgeher

  • Der Bassbariton Luca Pisaroni über seine Furcht vor der Rolle des Don Giovanni, sein Faible für den Sänger Dean Martin, Schwiegervater Thomas Hampson und sein Wesen als Opernnarr.

Tenöre verboten: Bassbariton Pisaroni (l.) und Bariton Hampson beehren das Konzerthaus.

Tenöre verboten: Bassbariton Pisaroni (l.) und Bariton Hampson beehren das Konzerthaus.© Jiyang Chen Tenöre verboten: Bassbariton Pisaroni (l.) und Bariton Hampson beehren das Konzerthaus.© Jiyang Chen

"Wiener Zeitung": Sie treten mit Ihrem Schwiegervater Thomas Hampson demnächst im Konzerthaus auf. Warum heißt der Abend wie eine CD, die Hampson schon vor rund 20 Jahren herausgebracht hat? Und gibt es das gleiche Programm?

Luca Pisaroni:Nein. Thomas hat "No Tenors Allowed" 1999 im Duo mit dem Bass Samuel Ramey aufgenommen. Die beiden schafften es aber nicht, gemeinsam auch nur ein Konzert zu geben. Thomas hat mich jetzt, so sagte er es jedenfalls jüngst in einem Interview, zu den Konzerten "gezwungen". Ich mochte die CD schon immer, vor allem die Idee, weniger bekannte Musik vorzustellen. Wenn ein Sopran und ein Tenor gemeinsam auftreten, landen sie meist bei denselben Duetten. Thomas und ich (Bariton und Bassbariton, Anm.)singen Nummern, die man nicht so kennt.


. . . und auch ein paar Broadway-Hits. Für Sie das erste Mal?

Nein. Ich bin wahnsinnig verliebt in die Musik von Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr.. Einer der besten Vokalisten überhaupt ist für mich Dean Martin. Wie er phrasiert! Es scheint ihm zuzufliegen. Er ist cool, ohne sich dafür anzustrengen. Mühelos.

Ist es nicht ein Problem, solche Hits mit einer Opernstimme anzugehen?

Man muss sich anpassen. Das gilt ja auch für Liederabende. Da heißt es anders singen, als wenn man in der Oper 80 Orchestermusiker vor sich sitzen hat.

Apropos Repertoire. Sie sind vor allem für Mozart bekannt. In welche Richtung wollen Sie gehen? Langsam hin zur großen, italienischen Oper?

Ich habe viele Träume. Aber ich war immer vorsichtig mit der Wahl meiner Rollen. Ich fürchte mich vor allem davor, alt zu klingen.

Das geht doch mit 41 kaum.

Meine Angst ist, jemand könnte sagen: "Mein Gott, er klingt wie 60, aber ist 40." Darum mache ich Rollen lieber nicht zu früh. Jetzt gehe ich das französische Belcanto an. Derzeit singe ich Mephisto im Gounod-"Faust" an der Staatsoper.

Spielen Sie gern den Bösen?

Es macht mehr Spaß. Rund 150 Mal habe ich die Titelrolle in "Le nozze di Figaro" gesungen. Irgendwann kam der Vorschlag, ich solle den Grafen spielen. Ich war mir erst unsicher - aber tat es und sagte dann zu meiner Frau: "Ich will nur noch Graf sein." Die Bösen haben so viel mehr Dramatik als die, die den ganzen Abend lang nett sind.

Sie haben auch den Leporello sehr oft gesungen. Wollen Sie nicht irgendwann einmal die Titelfigur im "Don Giovanni" darstellen?

Ich habe die Rolle jetzt in meinem Kalender, für Jänner 2019. Aber ich habe Angst.

Angst?

Weil es so schwer ist. Je mehr ich darüber nachdenke, desto eher möchte ich absagen. Man braucht für den Giovanni eine unglaubliche Reife. Du musst so viel Energie haben, dass man dich auch anschaut, wenn du nichts tust. Ein Charisma, stark wie das von Dean Martin. Ich habe als Leporello noch nie einen Giovanni erlebt, der nach der Vorstellung gesagt hätte: "Das ist es! Jetzt hab ich’s!" Es bleibt immer ein Teil des Charakters, den du nicht so porträtiert hast, wie du es wolltest. Ich habe jetzt zu der Rolle ja gesagt, weil sie zu wichtig ist, um sie zu ignorieren. Aber eigentlich kannst du nur versagen.

Haben Sie mit Hampson, der Routine als Giovanni hat, darüber geredet?

Wir tun das seit fünf Jahren! Seit damals will er, dass ich die Rolle übernehme. Ich habe die Partie 2011 sogar schon einem Dirigenten vorgesungen, aber dann beschlossen: Nein, ich will nicht.

Sind Sie sehr selbstkritisch?

Ich bin ein Opern-Nerd. Und darum kenne ich auch alle Aufnahmen von "Don Giovanni" . . .

Apropos Aufnahmen. Was denken Sie darüber, dass sich CDs immer schlechter verkaufen? Und wie stehen Sie generell zu Tonträgern? Sie sind ja vor allem ein Live-Künstler.

Ich sage immer: Geht in die Oper, geht ins Konzert! Es ist eine ganz andere Sache, als zuhause eine CD zu hören. Aufnahmen sind - es gibt keine nette Art, das auszudrücken - Fake-Produkte. Sie entsprechen nicht der Wirklichkeit. Die Qualität, die Größe, die Farbe einer Stimme: Das klingt live zehn Millionen Mal besser als auf CD. Ich war immer ein Fan von Luciano Pavarotti, ich habe alle seine CDs gekauft. Aber das hat nichts damit zu tun, wie er live klang! Als ich ihn das erste Mal hörte, war ich auf der hintersten Galerie. Er trat auf und sang - und ich drehte mich um, weil ich dachte, er steht direkt hinter mir. Dieses Gefühl kann kein Audiosystem erzeugen.

Von Ihnen gibt es bisher keine CD.

Und das ist mir recht. Ich wäre mit den Ergebnissen wohl auch nie zufrieden.

Anderes Thema: Die Klassik verliert mancherorts an Publikum.

Ja. Ich komme gerade aus New York. Der Verkauf von Opernkarten ist dort nicht mehr so leicht.

Läuft es in Wien darum gut, weil so viele Touristen in die Oper gehen?

Nein, es hat auch mit Tradition zu tun. Wenn Oper schon in deiner Kindheit Teil des Lebens ist, gehst du auch als Erwachsener hin. Mich begeistert, dass es in Wien so viele Opernhäuser und Konzertsäle gibt und die Leute sie besuchen - wobei der Touristenanteil in den Konzerten gering ist. Das erwärmt mein Herz. Darum wohne ich hier.

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Dokument erstellt am 2017-03-23 17:18:06



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