• vom 11.04.2017, 16:24 Uhr

Klassik/Oper

Update: 27.04.2017, 14:54 Uhr

Konzertkritik

Eine neue Welt - und eine ganz andere




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Von Reinhard Kriechbaum

  • Salzburger Osterfestspiele: Konzerte mit Christian Thielemann und Myung-Whun Chung.

Geschärfte Beethoven-Exegese: Christian Thielemann.

Geschärfte Beethoven-Exegese: Christian Thielemann.© afp Geschärfte Beethoven-Exegese: Christian Thielemann.© afp

Es wird nicht gekleckert zum 50-Jahr-Jubiläum der Osterfestspiele. Die Wiener Philharmoniker, Christian Thielemann und Beethovens Neunte: Das gab es am Montag quasi als Vorspann zum Hauptabendprogramm. Um 17 Uhr war das Große Salzburger Festspielhaus rammelvoll, das Abendkonzert (mit dem Requiem von Gabriel Fauré und der Orgelsymphonie von Camille Saint-Saëns) haben dann aber einige gespritzt.

Das Votum des Publikums ist also eindeutig ausgegangen an diesem Abend, obwohl es Thielemann einem so leicht nicht macht mit der Neunten. Dass der Töne freudenvollere und angenehmere sich nicht von selbst einstellen, dass es ein respektables Kräftemessen, ja ein Gerangel ist bis dahin, macht Thielemann sehr bewusst. Geschärft, direkt, mit einer gewissen ruppigen Unerbittlichkeit: Thielemann hat Persönlichkeit genug, den Philharmonikern erst einmal jede unverbindliche Routine-Schönheit auszureden. Selbst das Adagio braucht in dieser strengen Lesart eine nicht unbeträchtliche Anlaufzeit bis zur tendenziellen Aufhellung. Die neue Welt lässt der Dirigent erst anbrechen, wenn das Thema des Schlusschors zum ersten Mal im Orchester auftaucht. Der Wiener Singverein profitierte dann sehr von Thielemanns Artikulations-Durchlüftung. Die exponierte Sopran-Lage ist fordernd genug. Die halbe Osterfestspiel-"Walküre" war im Solistenquartett: Anja Harteros, Christa Mayer, Peter Seiffert und Georg Zeppenfeld.


Festspiel-Luxus ist auch, Anna Prohaska für ein winziges Sopran-Solo im Fauré-Requiem zu holen. Oder gar Cameron Carpenter, den Popstar unter den Organisten, für die Orgelsymphonie. Bei Fauré kann einem schon das Wort Trantütenmusik in den Sinn kommen. Es sind aber auch echte Wunschkonzert-Reißer drin: das wirkungsvoll Frauen- und Männerchor gegenüberstellende "Sanctus" etwa, der "Pie Jesu"-Faserschmeichler des Solo-Soprans und das nicht weniger ohrenverwöhnende "In paradisum". Der Chor des Bayerischen Rundfunks, die Staatskapelle Dresden wurden von Myung-Whun Chung so gelenkt, dass unendliche Ruhe, viel Klangsinn und absolut keine verkitschenden Schnörksel drin waren.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-11 16:30:18
Letzte ─nderung am 2017-04-27 14:54:05



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