• vom 12.04.2017, 15:59 Uhr

Klassik/Oper

Update: 12.04.2017, 16:09 Uhr

Konzertkritik

Der Virtuos bei seiner Capell




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Von Reinhard Kriechbaum

  • Der Pianist Daniil Trifonov bei den Salzburger Osterfestspielen.

Kitzelt findig die Ohren: Daniil Trifonov.

Kitzelt findig die Ohren: Daniil Trifonov.© Dario Acosta/DG Kitzelt findig die Ohren: Daniil Trifonov.© Dario Acosta/DG

"Capell-Virtuos" ist ein schöner Titel. Nicht mehr wert, aber irgendwie besser klingend als "Künstler des Jahres", zu dem das Magazin "Gramophone" den 1991 in Nischni Nowgorod geborenen Daniil Trifonov als pianistischen Senkrechtstarter gekürt hat. Jetzt also hat die Staatskapelle Dresden ihren "Capell-Virtuos" zu den Salzburger Osterfestspielen mitgebracht. Bei den Pfingstfestspielen ist er beim Jubiläumskonzert für Anne-Sophie Mutter dabei. Und im Sommer ist der Russe in Salzburg erstmals als Solist mit den Wiener Philharmonikern zugange.

Das Virtuose hat er am Dienstag nicht nur in einer delikaten Prokofjew-Zugabe heraushängen lassen. Auch sein Mozart - das Klavierkonzert C-Dur KV 467 - war denkbar alert, wenn sich nach dieser Wiedergabe auch nicht bestimmt sagen lässt, ob und was Trifonov zur Sache genau zu sagen hat. Jedenfalls weiß er, dass die Ohren gekitzelt sein wollen und man in den Kadenzen schon etwas riskieren darf. So bricht er den dritten Satz gleich zum Beginn auf und holt aus zu einem harmonisch verzwirbelten (oder verschwurbelten?) Alleingang, der kurz zweifeln lässt, ob sich da bald wieder eine Tonart findet, die zum Orchester passt. Unbegründete Sorge, gleich ist der Virtuos wieder bei seiner Capell. Mozart ein wenig im Freistil, besonders frei in den Kadenzen: Jene im ersten Satz hat Trifonov nicht nur zu einem Querfeldein-Marsch durch sehr entfernte Tonarten genutzt, sondern auch zu einer originellen eigenen Themendurchführung. Da verdienten sein Erfindungsreichtum, auch das Gefühl für Proportionen Respekt.

Information

Staatskapelle Dresden
Großes Festspielhaus, Salzburg

Danach hatten die Programmgötter die "Romantische" vorgesehen: ein Bruckner-Ballon, aus dem unter Dirigent Christian Thielemann manchmal die Luft zu entweichen schien. Eine Wiederholung gibt es am Ostersonntag um 19 Uhr im Großen Festspielhaus. Heute, Donnerstag, erhält Trifonov im "Konzert für Salzburg" den mit 50.000 Euro dotierten Herbert von Karajan-Musikpreis.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-12 16:03:16
Letzte ─nderung am 2017-04-12 16:09:52



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