• vom 14.04.2017, 16:22 Uhr

Klassik/Oper

Update: 14.04.2017, 16:30 Uhr

Konzertkritik

Melancholisch und fetzig




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Kriechbaum

  • Osterfestspiele: Das "Konzert für Salzburg" unter Christian Thielemann.

Eine Bravourleistung: Christian Thielemann.

Eine Bravourleistung: Christian Thielemann.© dpa Eine Bravourleistung: Christian Thielemann.© dpa

Fast wirkte es wie eine Wiedergutmachung fürs dritte Osterfestspielkonzert der Staatskapelle Dresden: Nicht alle französische Symphonik der Spätromantik klingt so hohl und bombastisch wie die "Orgelsymphonie" von Saint-Saëns. Die Symphonie B-Dur op. 20 von Ernest Chausson, aufgeführt am Donnerstag im "Konzert für Salzburg", ist ein ganz anderes Kaliber. Die Einleitung mag noch an die Schwermütigkeit Tschaikowskis erinnern, aber dann gehen die Geigen mit Sticheleien los auf das in den Bläsern originell-asymmetrisch einherpurzelnde Hauptthema. Permanentes Aufrauschen und Schwelgen kennzeichnen die Rahmensätze des Werks aus den 1890er Jahren. Aber immer wieder erkämpfen sich die Solobläser Ruhe-Inseln, behauptet sich also die Lyrik gegen das fetzig vorwärts Stürmende.

Lorenzo Viotti hat das viel zu selten gespielte Werk analytisch durchleuchtet. Doch dann hat er mit großem Atem und mit begründetem Vertrauen auf die Reaktionsschnelligkeit der Staatskapelle Dresden das Paket wieder zusammen geschnürt. Viele Stimmungsbrechungen sind das Wesentliche in Chaussons singulärer symphonischer Erzählung. Die gewaltigen Blech-Entwicklungen im langsamen Satz werden beispielsweise konterkariert durch beinah schrille Zwischentöne der Holzbläser. Kann man anders als schwärmen über die schier grenzenlos belastbare Staatskapelle Dresden?

Information

Konzert

Staatskapelle Dresden

Salzburg, Großes Festspielhaus

Zum Abschluss haben die Bläser mit Ravels "Bolero" noch einmal eine Bravourleistung nicht nur an Präzision hingelegt. Die erste Hälfte des "Konzerts für Salzburg" gehörte Christian Thielemann und Daniil Trifonov. Es ging los mit Beethovens "Egmont"-Ouvertüre und weiter mit Mozarts Klavierkonzert C-Dur op. 467, das man ja schon zwei Tage zuvor an diesem Ort hörte. Daniil Trifonov ist um 50.000 Euro reicher heimgegangen: Ihm wurde der Herbert von Karajan-Musikpreis überreicht, eine seit 2003 ausgelobte Auszeichnung, die heuer erstmals nicht in Baden-Baden, sondern in Salzburg vergeben wurde.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-14 16:27:05
Letzte ─nderung am 2017-04-14 16:30:50



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Möge die Schlacht mit uns sein
  2. 152 rasante Minuten mit Laserschwert
  3. Kunst
  4. Heiter dem Tausender entgegen
  5. Nothung, neidliches Brotmesser
Meistkommentiert
  1. Die Kamera als Schutz
  2. "Ohne Polen kollabiert London"
  3. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  4. Beethoven-Skulptur in Wien enthüllt
  5. Zu kurzsichtig

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.


Werbung


Werbung