• vom 21.04.2017, 16:21 Uhr

Klassik/Oper

Update: 21.04.2017, 16:36 Uhr

Klassikkritik

Rache der Musikanten




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Von Lena Dražić

  • Klangforum Wien füllt spröde Musik mit Leben.

Ist der Komponist ein asozialer Egomane, der sich akustische Phänomene rücksichtlos einverleibt? Sind Interpreten bloße Exekutivorgane? Fragen, zu denen das Klangforum Wien unter der Leitung von Bas Wiegers inspirierte. Ondrěj Adámek dienen in "Ça tourne ça bloque" die Stimmen japanischer Frauen als exotisches Material, dem sich die Instrumente klanglich anschmiegen.

Sie tun das in aus Jazz und Minimal bekannter Weise, die von prägnanter Rhythmik und Repetition geprägt ist, während französische Männer über Japan parlieren. Adámek fügt sich damit in eine Tradition, in der Sprache als musikalisches Material dienstbar gemacht wird. Hier handelt es sich freilich um keine Verfremdung des Eigenen, sondern um das Verwerten des Fremden, das im westlichen (Neue-)Musik-Betrieb ästhetischen Mehrwert generiert. Ganz anders Dieter Ammann, der in "Le réseau des reprises" aus dem Ensembleklang ein dichtes "Netz der Wiederholungen" webt. Orientierungspunkte schafft in diesem hypertrophen Gebilde Wiederholung als kleinräumige Repetition und großräumige Reprise. Eine Synthese zwischen maschinellem und organischem Pol bildete das Klangforum-Projekt "Scan", das auf den Nummern VII und XII aus Bernhard Langs "Monadologie"-Zyklus basierte. Langs mechanische Wiederholung kleinster Partikel verlangt von den Musikern größte Disziplin und wohl auch ein Quäntchen Selbstverleugnung. Welch Kontrast, wenn im Raum zwischen den beiden "Monadologien" der Organismus Klangforum zu jammen beginnt und spröde Musik mit dem prallen Leben solistischen Ausdrucks füllt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-21 16:27:02
Letzte ─nderung am 2017-04-21 16:36:13



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