• vom 12.05.2017, 17:02 Uhr

Klassik/Oper

Update: 12.05.2017, 18:30 Uhr

Festival

Ein edelbunter Abend




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  • Im Konzerthaus läuft noch bis Samstag das Festival "Gemischter Satz".

Singulär: André Heller trat mit Wienerliedern auf.

Singulär: André Heller trat mit Wienerliedern auf.© apa/Hochmuth Singulär: André Heller trat mit Wienerliedern auf.© apa/Hochmuth

(irr) Seit Matthias Naske das Wiener Konzerthaus leitet, ist der Veranstaltungsort um einen Sollwert reicher. Das Gebäude in der Lothringerstraße will mit seinem Programm nicht nur hochwertig, nahbar und pluralistisch auftreten. Es möchte auch "sympathisch" sein. Naske sagt das Wort gern. Er verwendet es auch für sein Festival "Gemischter Satz". 2015 gegründet, bespielt das leut- und weinselige Event alljährlich zwei Tage lang sämtliche Säle mit einem Mix aus Klassik, Folklore, Gegenwartsmusik und Literatur - wobei in den Pausen Rebensaft verkostet wird. Heuer hat man die Festivalzone erweitert: Den regulären Terminen (Freitag, Samstag) wurde ein "Vorspiel" am Donnerstag vorangestellt.

Ein Präludium, das klarmacht: Der "Gemischte Satz" ist nicht zuletzt eine Spielwiese für seine Kuratoren. Christian Seiler und Andreas Schett können ihr Programm nicht nur zusammenstellen, sondern regelrecht komponieren. Mitunter befremdet das. Dörte Lyssewski rezitiert zur Begrüßung Falcos "Vienna Calling" mit deutscher Schauspiel-Stimme, dazu tönt vom Klavier Wolfgang Rihms "Ländler für Klavier": Cuvée für die Ohren. Danach erklimmt das Danish String Quartet aber einen intensiven Bartók-Gipfel.


Eine Weinverkostung später ist man bei Georg Kreisler: Nikolaus Habjan leiht ihm seine Puppenspieler-Stimme. Sie hat für das verblichene Spottlied-Genie aber weder die Kraft noch das bitterböse Format. Kreislers Triangelspieler, diese gebrochene Chanson-Figur, wird zum rührigen Tschapperl verzärtelt. Die Arrangements von Franui, Schetts Kombo, liefern immerhin einige hübsche Dekor-Dissonanzen.

Höhepunkt ist der Wienerlied-Auftritt von André Heller - sein erster seit 38 Jahren. Eine Sensation, suggeriert eine Trommelwirbel-Ansprache von Seiler vor Beginn - und irgendwie auch das Understatement des Stars selbst ("Probier ma’s"). Wobei: Hier geschieht wirklich Singuläres. Heller ist einer der letzten Native Speaker des halbtoten Altwienerisch, er gibt (mithilfe der Neuen Wiener Concert Schrammeln) einen weiterhin charmanten Sänger ab und ist mit einer Biografie gesegnet, dank der er ebenso auf gallige Kultlieder (aus seiner Qualtinger-Zeit: "Wean du bist a Taschenfeitl") zurückblicken kann wie auf Sacharinsüßes der Sorte "Ich hab die schönen Maderln net erfunden". Lebenswerk-Applaus.




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Festival, Konzerthaus

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-12 17:06:12
Letzte ńnderung am 2017-05-12 18:30:08



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