• vom 15.05.2017, 16:39 Uhr

Klassik/Oper

Update: 15.05.2017, 16:49 Uhr

Konzertkritik

Pure Sinnlichkeit




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Von Lena Dražic

  • Musikfest-Eröffnung mit Boulez‘ "Notations".

Pierre Boulez‘ "Notations" sind kein Neuland für die Wiener Philharmoniker: Mehrfach brachte das Traditionsorchester diesen Meilenstein der Moderne zur Aufführung, immer unter der Leitung des Uraufführungsdirigenten Daniel Barenboim. Dennoch schien dieser den Ausgang der Anordnung auch am Sonntagabend, bei der Eröffnung des 38. Musikfests im Wiener Konzerthaus, mit Spannung erwartet zu haben - einer Spannung, die sich unmittelbar nach Verklingen des letzten Stücks mit einem ans Orchester gerichteten "Bravo!" Luft machte. Schließlich halten die wuchernden Miniaturen, die aus den 1945 entstandenen "Douze Notations" für Klavier hervorgingen, in ihrer Komplexität hinreichend Herausforderungen bereit - für die Ausführenden wie fürs Publikum.

Ihre aberwitzige Dichte zwingt die Zuhörenden zu äußerster Gespanntheit und einem Hören gleichsam auf der Sesselkante, um möglichst wenig von dem Reichtum an Motiven, Strukturen und Klangfarben zu verpassen. Besonders Letztere waren bei den Philharmonikern in guten Händen: die oszillierende Farbigkeit von Nummer III, die schneidenden Blech-Klänge der Nummer IV oder - in der Nummer VII - ein abgeschattetes Flirren, aus dessen Schleier sich prägnante Figuren erheben. Ein würdiger erster Höhepunkt der Werkschau, die das Konzerthaus Pierre Boulez derzeit widmet.

Information

Konzert
Wiener Philharmoniker
Konzerthaus, 38. Musikfest

Zuvor zeigten die Philharmoniker und Barenboim mit Ausschnitten aus Smetanas "Má vlast", dass sie auch ganz anders können: hochromantisch, mit unverhohlenem Pathos und ohne zügelnden Strukturalismus.





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Dokument erstellt am 2017-05-15 16:45:11
Letzte ─nderung am 2017-05-15 16:49:53



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