• vom 20.06.2017, 16:19 Uhr

Klassik/Oper

Update: 20.06.2017, 16:29 Uhr

Konzertkritik

Sinnliches Spektakel




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Von Lena Dražić

  • Das Klangforum interpretierte Werke von Pierre Boulez.

Die Anfangsszene war ungeplant, doch passend: Das Klangforum Wien und sein Publikum mussten sich gedulden, bis das Kontaktproblem der MIDI-Flöte behoben und Flötistin Eva Furrer korrekt "verkabelt" war. Die kleine Verzögerung, mit der das letzte Konzert des Boulez-Schwerpunkts im Konzerthaus begann, wirkte wie eine Illustration des provokanten Mottos, unter welches das Klangforum den Abend gestellt hatte: "Der Mensch muss weg." Soll heißen: Angesichts der höchsten Künstlichkeit des Boulez’schen Komponierens erscheint der Faktor Mensch nur noch als Fehlerquelle.

Tatsächlich war es in der Entstehungsgeschichte von "...explosante-fixe..." eher die Technik, die Probleme machte: Zwei Jahrzehnte feilte der Komponist an der Verbindung von Instrumentalensemble und Elektronik. Das Ergebnis am Montagabend war indes fulminant: Der elektronisch angereicherte Klang von Solo-Flöten und Ensemble erschien in seiner Vielfalt wie ein einziger Körper, der sich bei der Bewegung durch den Raum ausdehnte und zusammenzog.

Information

Konzert

Klangforum Wien

Baldur Brönnimann (Dirigent)

Konzerthaus

Wem das noch nicht opulent genug war, der kam in "Répons" auf seine Kosten: Auf Logen und Balkon verteilte Musiker schöpften den Klangraum des Großen Saales voll aus. Dass der hohe Energiepegel über 35 bzw. 45 Minuten aufrecht blieb, verdankt sich der rhythmischen Strenge, die vom Klangforum unter der Leitung von Baldur Brönnimann mit bewundernswerter Präzision realisiert wurde. Neue Musik als selbstgenügsames Spiel oder technischer Fanatismus? Hier erschien sie bei aller Überforderung doch als ein äußerst sinnliches Spektakel.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-20 16:23:08
Letzte ─nderung am 2017-06-20 16:29:00



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