• vom 22.06.2017, 15:42 Uhr

Klassik/Oper

Update: 22.06.2017, 15:49 Uhr

Konzertkritik

Kühle Dramatik




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Von Katharina Wappel

  • Liederabend von Anja Harteros im Konzerthaus.

Beginnen wir mit der zweiten Hälfte: Die Lieder von Alban Berg und Richard Strauss beinhalten ein enormes Gefühlspotenzial, vor allem in den durchdringenden und lauten Sphären. Sopranistin Anja Harteros liegt genau diese Art des emotionalen Drucks. Sie schraubt sich in dramatische Höhen und erreicht ihr Publikum vor allem auf dieser lautstarken Ebene.

Es mag an den schwierigen räumlichen Voraussetzungen liegen (Liederabend und Großer Saal des Konzerthauses vertragen sich nur mäßig gut), dass die Nuancen, die vor allem bei Schubert und Schumann in der ersten Hälfte bedeutungsvoll wären, nicht ausreichend gut herüberkommen. Jedenfalls aber vermag Harteros, am Klavier kompetent begleitet von Wolfram Rieger, bei den sanften Weisen eines Schubert nur begrenzt zu emotionalen Höhenflügen anzusetzen. Es ist, als fragte sie selbst, um es mit dem "Schwanengesang" zu sagen: "Wie klag’ ich’s aus, wie sing ich’s aus?"

Information

Konzert
Anja Harteros (Sopran)
Konzerthaus

Eine perfekte Technik aber erlaubt ihr große Wendigkeit, behände kann sie auch die schwierigsten Passagen mühelos meistern. Dennoch ist ihr Stil auch in manchen Nischenbereichen zumindest gewöhnungsbedürftig. Dort nämlich, wo sie auch die stillen Töne noch mit ausgeprägtem Vibrato auffüllt, wodurch einige Zartheit und vielleicht auch das Gefühl ausbleibt. Dass sie in der ersten Hälfte zusätzlich noch in Mimik und Gestik reduziert, mag den Eindruck der Gefühlskälte noch verstärken und verhindern, dass der Funke endgültig überspringt. Sicher aber liegen ihr die Berg- und Strausslieder allgemein mehr. Und das Publikum ist ohnehin trotz allem entzückt.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-06-22 15:47:03
Letzte nderung am 2017-06-22 15:49:42



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