• vom 23.06.2017, 16:15 Uhr

Klassik/Oper

Update: 26.06.2017, 16:04 Uhr

Klassikkritik

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Von Katharina Wappel

  • Marc-André Hamelins musikalische Ansichten.

Im Konzerthaus zeigt Marc-André Hamelin auf imposante Weise nicht nur seine musikalische Intellektualität, sondern auch seine kompositorischen Fähigkeiten. Sein interpretatorischer Ansatz lässt sich am besten als analytisch bezeichnen. Forsch im Anschlag, radikal im Expressiven, immer eine gewisse Härte mittragend.

Mit Haydn - in diesem Fall der C-Dur Sonate - geht das weniger zusammen als mit der 1. und 2. Sonate von Samuel Feinberg, einem Komponisten der russischen Schule. Bei Beethovens "Appassionata" verdeutlicht Hamelin seine Virtuosität, auf beeindruckende Art führt er die Linien der zwei Hände nebeneinander her.


Nach Liszts "Nuages gris", die er wie ein zart-expressionistisches Gemälde in den Raum pinselt (das am gefühlvollsten vorgetragene Stück an diesem Abend), bildet die h-Moll Sonate den Abschluss, in dem seinen exzessiven Anwandlungen keine Grenzen mehr gesetzt sind. Und auch wenn er einige Male daneben trifft, bezieht er doch klar Stellung und positioniert sich als Musiker, der dabei immer auch Komponist ist.

Was seinem Spiel dabei aber fehlt, ist die Musikalität, das Emotionale. Seine Art zu spielen ist merkbar immer das Ergebnis einer Analyse, wodurch er oft an der Musik vorbeigeht. Als Zugabe gibt’s dann noch einen Chopin und wie eingangs bereits erwähnt eine Eigenkomposition dieses Künstlers (auf "L’homme armé" basierend), die einmal mehr seine eigenwilligen musikalischen Ansichten verdeutlichen. Diese kann man mögen oder nicht. Dass er sie überhaupt hat, ist allerdings schon erfreulich.

konzert

Marc-André Hamelin

Konzerthaus




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-23 16:16:07
Letzte Änderung am 2017-06-26 16:04:04



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