• vom 23.06.2017, 17:26 Uhr

Klassik/Oper

Update: 23.06.2017, 18:04 Uhr

Konzertkritik

Eine Sommernachtsrobengala




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (18)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christoph Irrgeher

  • Die Festival-Saison hat in Grafenegg begonnen: Das Wetter war dem Festkonzert am Donnerstag hold.

Bejubelt: Hvorostovsky und Garifullina. - © Sonja Stangl

Bejubelt: Hvorostovsky und Garifullina. © Sonja Stangl

Auch das gehört zu den Tugenden einer Konzertmoderation: Der Conférencier sollte, als Bindeglied zwischen klassischen Werken, nicht nur kunstsinnige Sätze liefern. Gefragt ist auch ein wenig Smalltalk mit den Verantwortlichen. Im Fall des Konzertfestivals Grafenegg war das bisher (neben Intendant Rudolf Buchbinder) Erwin Pröll. Der einstige Ober-Niederösterreicher mit dem tatkräftigen Kunstsinn hat den Festspielstandort bekanntlich aus dem Boden stampfen lassen und landesfürstlich dotiert. Das Risiko eines Auftritts des Potentaten bei der Festival-Eröffnung freilich: Er konnte dabei auch einen kernigen Herrenwitz servieren, sodass das Lächeln von ORF-Lady Barbara Rett zum Standbild gefror.

Tempi passati. Am Donnerstag begrüßte Rett eine neue Leitungsfigur auf der Freiluftbühne, nämlich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Der Smalltalk stand diesmal unter ganz anderen Vorzeichen, wenngleich er bemüht heiter wirkte: "Sieht aus, als ob wir stundenlang telefoniert hätten, um uns abzustimmen", begann Rett den Dialog, gehüllt in fließende Stoffe, rosa und orange. "Die Intuition der Damen", antwortete Mikl-Leitner im schillernd rosa-goldenen Kleid. Mikl-Leitner, so viel bekannte sie dann noch inhaltlich, will Niederösterreich "als Kulturland weiterentwickeln" und das Angebot "für jeden zugänglich" halten.


Die danach startende "Sommernachtsgala" (am Freitag wiederholt und auf ORF2 ausgestrahlt) bot jedenfalls einen gefälligen Mix aus Arien-Häppchen und Orchester-Reißern - und einige Gala-Roben mehr: Aida Garifullina, einst Ensemblemitglied der Staatsoper und heute Weltspitze in spe, trug Grauviolett mit glitzernden Längsstreifen, später Vestalinnen-Weiß mit Glitzerbesatz. Die 29-jährige Russin hat aber nicht nur das Gesicht und die Garderobe, sondern auch die rechte Stimme für den Opernstar. Garifullinas Sopran, hier etwa zu hören in Puccinis Musetta-Walzer, leuchtet auch in der trockenen Freiluft-Akustik, bewegt sich in hoher Lage geschmeidig und schüttet dabei eine Prise Pfeffer aus, der auf dem Weltmarkt ein begehrtes Gut werden könnte.

Mitsingen beim Orchesterstück
In Grafenegg, wo allsommerlich ein Tross Stars Halt macht, sollte Garifullina am Donnerstag nicht die einzige Glanzgestalt bleiben. Es stellte sich dann auch Khatia Buniatishvili für einen Kurzauftritt ein - unübersehbar nicht nur, weil sie im Bühnenzentrum auf einen Konzertflügel einschmetterte. Die Pianistin aus Tiflis hatte sich zudem in ein silberblitzendes Kleid mit seltsamen Öffnungen (seitlich an den Hüften) geschoben. Eigenwillig auch die Interaktion zwischen ihr und den Musikern vor Ort, also dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich: Chefdirigent Yutaka Sado wickelte den Kopfsatz von Tschaikowskis Erstem Klavierkonzert sachlich ab, das vulkanische Temperament am Flügel aber preschte voran - das war eher ein Hinter- als Miteinander.

Für den dritten im Star-Bunde, Bariton Dmitri Hvorostovsky, war der Auftritt wohl kein Leichtes. Ein Hirntumor, der seinen Gleichgewichtssinn stört, ließ ihn alle Operntermine absagen. Ein gewisses Handicap war auch in Grafenegg offensichtlich. Der Weißschopf aber pfiff sich nichts: Er genoss seine Nummern (etwa die "Cortigiani"-Arie) in vollen Zügen, sang am Ende sogar mit, als das Orchester Elgars "Pomp and Circumstance" zum gewohnten Feuerwerk spielte - und riss einem so den Beifall aus den Händen.

Konzert

Sommernachtsgala

Am 2. Juli, 20.15 Uhr, noch einmal auf ORF III zu sehen




Schlagwörter

Konzertkritik, Festival

2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-23 17:28:06
Letzte ─nderung am 2017-06-23 18:04:04



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Ära des geilen Mannes
  2. Im Schockzustand
  3. "Die Orgie wird kalt!"
  4. Krieg im Büro, Frust zu Hause
  5. Die Seele der Dinge
Meistkommentiert
  1. Das Hosentürl zum Ruhm
  2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  3. Ein Rabauke zeigt sich reuig
  4. "Selbstfesselung der linken Parteien"
  5. "Wo das große Geld ist, sind Frauen rar"

Werbung




Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.


Werbung


Werbung