• vom 24.07.2017, 16:24 Uhr

Klassik/Oper

Update: 24.07.2017, 16:39 Uhr

Konzertkritik

Die atemlose Ewigkeit




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (16)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Judith Belfkih

  • Currentzis beeindruckt mit Mozarts Requiem in Salzburg.

In ihren schwarzen, bodenlangen Gewändern erinnern sie mehr an einen Priester-Orden als an ein Orchester. Einziger Farbtupfen sind die roten Schuhbänder in den Stiefeln des Maestros. Dass sie stehend musizieren, verstärkt das Gefühl der Eingeschworenheit noch. Der Klang, den sie erzeugen, ist dann das akustische Äquivalent dazu: höchste Geschlossenheit und Präzision, berückende Klarheit, absolute Askese und Transzendenz.

Teodor Currentzis gastierte zum Auftakt der Salzburger Festspiele mit sienem Chor und Orchester von MusicAeterna in der Felsenreitschule. Als Vorgeschmack auf den "Titus" am Donnerstag präsentierte er am Sonntag seine Sicht auf Mozarts Requiem in federnder Zärtlichkeit und mit verknappender Dringlichkeit. Als ein Hauchen anhebend, durchmaß er das Werk mit zügigen, doch stets schwebenden Schritten, ließ den Chor in den zum Staccato verknappten Fugen mit Wortdeutlichkeit und Präzision glänzen und lotet mit dem feinen und disziplinierten Orchester in Dynamik und Tempo Nuancen und Extreme aus. Dieser Mozart ist radikal, kompromisslos und unausweichlich, nie jedoch beliebig. Die zeitlose Uhr lässt sich nicht beirren. Das ewige Licht rastet nicht, es eilt weiter von Ewigkeit zu Ewigkeit. Sinnlichkeit und Bodenhaftung haben da keinen Platz.

Information

Konzert

Mozart-Requiem

Teodor Currentzis (Dirigat)

Salzburger Festspiele

Currentzis ist dabei das konzentrierte Zentrum, hat alle musikalischen Fäden in der Hand, artikuliert jede Silbe des Chores mit. Dass Mozart dabei ein Stück weit im Korsett Currentzis’ gefangen bleibt, dass die Musik keinen Raum zum Fließen oder Atmen hat, ist der kleine Schatten eines atemberaubenden Konzertes.





1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-24 16:30:06
Letzte ─nderung am 2017-07-24 16:39:03



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Nicht mit uns"
  2. Kein "Irrer mit der Bombe"
  3. Bob Dylan kommt nach Österreich
  4. Manuel Legris verlässt Staatsballett
  5. Heiter dem Tausender entgegen
Meistkommentiert
  1. Die Kamera als Schutz
  2. "Ohne Polen kollabiert London"
  3. Sophie Rois ärgert sich über "Peniszulage"
  4. Beethoven-Skulptur in Wien enthüllt
  5. Zu kurzsichtig

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.


Werbung


Werbung