• vom 25.07.2017, 16:02 Uhr

Klassik/Oper


Salzburger Festspiele

Am Anfang das Ende




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Von Judith Belfkih

  • Berückende Totenmusiken zum Beginn der Salzburger Festspiele.

Intendant als Interpret: Markus Hinterhäuser (r.) und Igor Levit spielten Messiaen. - © Sbg. Festsp./Silvia Lelli

Intendant als Interpret: Markus Hinterhäuser (r.) und Igor Levit spielten Messiaen. © Sbg. Festsp./Silvia Lelli

Die Ouverture spirituelle, die Einstimmung auf die Salzburger Festspiele mit geistlicher Musik, stellt heuer das Ende an den Anfang. Und lässt damit letzte Worte als die ersten sprechen. Nach dem eindrucksvollen Mozart-Requiem am Sonntag setzte sich die Reihe der Totenmusiken am Montag fort. Wer die nötige Konzentration mitbrachte, konnte in drei Konzerten den musikalischen Umgang mit dem Übertreten der letzten Schwelle nachhören - von der ersten überlieferten Totenmesse bis beinahe in die Gegenwart.

Schon mit der Programmauswahl hat der neue Intendant, Markus Hinterhäuser, die emotionale Betriebstemperatur seiner Festspiele eingestellt: Nicht die Wohlfühloase des Schönklangs steht hier im Zentrum, sondern nichts weniger als die Frage nach den letzten Dingen. Erreichte der Auftakt im Mozarteum diese emotionale Dichte noch nicht - das Cuarteto Casals präsentierte Joseph Haydns Streichquartettfassung der "Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" in einer schlanken und zügigen Version, die sich jedoch an der Grenze von Schlichtheit und Oberflächlichkeit bewegte -, so legte Hinterhäuser selbst im zweiten Teil den Kurs der Auseinandersetzung fest.


Existenzielle Übergänge
Mit dem russisch-deutschen Pianisten Igor Levit widmete er sich Olivier Messiaens "Visions de l’Amen" für zwei Klaviere. Im Zweiten Weltkrieg komponiert, strotzt das Stück vor lebensbejahender Kraft, auch wenn es die Abgründe des kriegsgeprüften 20. Jahrhunderts tief verinnerlicht hat. Die Pianisten - Levit zuständig für die virtuosen Kaskaden, Hinterhäuser für die teils wuchtige Klang-Substanz - loteten die Extreme des Stückes zwischen fragiler Entrücktheit, mahnender Härte, gleißender Klangmacht und Messiaens Vorliebe für Glocken und Vogelstimmen eindrucksvoll aus.

Zu den Anfängen sprang das Programm in der Kollegienkirche. Johannes Ockeghems "Missa pro defunctis", entstanden um 1470, ist nicht nur das älteste erhaltene Requiem, es steht auch für einen ersten Höhepunkt vokaler Mehrstimmigkeit. The Tallis Scholars ließen die polyphone Totenmesse als kristallklare Klang-Säule im Raum schweben, als kunstvoll an- und abschwellenden Strom der eng geführten, sich fein aneinander reibenden Stimmen.

Nach den (nicht nur das exzellente Klangforum Wien unter Emilio Pomàrico fordernden) "Quatre Chants pour franchir de seuil" (Vier Gesängen, um die Schwelle zu überschreiten) von Gérard Grisey, in denen der Spektralkomponist sich nicht nur mit dem Tod der Menschheit befasst, sondern auch die klanglichen Grenzen von Tönen, Stimme und Sprache auslotet, gestaltete das britische Vokalensemble zum Finale um Mitternacht den Höhepunkt des Konzertmarathons. Mit Josquin Desprez‘ wohl kurz nach 1500 entstandener "Missa de Beata Virgine" woben sie ein feines Klanggeflecht in der vollkommenen Pracht der Reduktion. Mit der Illusion der ewigen Aufwärtsbewegung der Stimmen führten sie in einen Reflexionsraum jenseits der Zeit und jenseits der Last der Individualität und ließen eine vielschichtige Klangreise in zarten Obertönen enden.




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Dokument erstellt am 2017-07-25 16:06:09



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