• vom 28.07.2017, 16:11 Uhr

Klassik/Oper

Update: 31.07.2017, 12:36 Uhr

Opernkritik

Der Heilsbringer geht wieder baden




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Von Joachim Lange

  • In Bayreuth wird die Wiederaufnahme des "Parsifal" bejubelt.

Imposant: Zeppenfeld (l.) und Schager.

Imposant: Zeppenfeld (l.) und Schager.© Bayreuther Festspiele/Nawrath Imposant: Zeppenfeld (l.) und Schager.© Bayreuther Festspiele/Nawrath

Wagners "Parsifal" ist für das Bayreuther Festspielhaus maßgeschneidert. Hier, auf dem Grünen Hügel, liegt dieSpielstätte für diese Oper, hier wurde sie 1882 uraufgeführt. Man versteht warum, wenn man sich in der aktuellen Spielserie der Festspiele dem Orchester im verdeckten Graben unter Hartmut Haenchen ausliefert. Haenchen ist eine jener Glücksfall-Personalien, die es in Bayreuth öfter gibt. Schon im Vorjahr hat der Dirigent hier den "Parsifal" geleitet und sprang für Andris Nelsons ein, der der damaligen Premiere während der Probenzeit abhandengekommen ist. Haenchen, 1943 geboren, stand lange Zeit an Orten wie Amsterdam oder Paris höher im Kurs als daheim. Dabei hätte der ausgewiesene Wagner-Könner schon viel früher nach Bayreuth gehört.

Erst ein Retter in der Not, ist er heuer ganz bei sich, dem Stück und in dessen idealem Raum angekommen. Mit einer Stunde vierzig für den ersten Aufzug erweist sich die Gangart als eher zügig denn weihevoll. Und dann wird bei der zweiten Gralsenthüllung doch der Raum mit aller Klangpracht ausgefüllt, ohne dass es ins Lärmen kippt: grandios!


Eine Idealbesetzung
Dazu die Besetzung: von wegen Krise des Wagner-Gesangs oder Fehlbesetzungen auf dem Grünen Hügel. Besser als in diesem Jahr geht es kaum. Wenn aus dem Parsifal Andreas Schager das "Amfortas! Die Wunde!" herausbricht, geht einem das durch Mark und Bein - wobei der Aufschrei immer noch Gesang bleibt. Die Stimme des österreichischen Tenors besitzt enorme Strahlkraft (mit Betonung auf beiden Silben) und zunehmend auch die gestalterische Leidenssubstanz, die es für einen überzeugenden und berührenden Parsifal braucht. Dazu kommt, dass er sich wie ein Mensch auf der Bühne bewegen kann. Georg Zeppenfeld ist als Gurnemanz längst eine Klasse für sich, Elena Pankratova eine glutvoll verführerische und leidende Kundry der Extraklasse. Dazu Ryan McKinny als Amfortas, Derek Welton als Klingsor und Günther Groissböck als Luxus-Einspringer in der Rolle des Titurel. Was sollte da - und wo - besser zu machen sein?

Bei der Wiederbegegnung mit der Inszenierung von Theater-Routinier Uwe Eric Laufenberg erweisen sich deren Vorzüge als deutlich gewichtiger als die Einwände. Den notorischen Kunstprovokateur Jonathan Meese hatte man in Bayreuth ja dann doch nicht riskiert. Dafür hat Wien jetzt Meeses "Parsifal"-Expedition genießen (beziehungsweise aushalten) dürfen. In Bayreuth ist Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, zu einer Reise in einen Kirchenraum im Nahen Osten aufgebrochen: Es geht ins Hamam und dann ins Paradies, am Ende kommt man im Zuschauerraum bei einer Kritik des hellen Lichtes der Vernunft an allen Religionen an - auch mit nackten Tatsachen. Ein zelebriertes Bühnenweihfestspiel ist das nicht, sondern ein handfestes Theater, das zu packen versteht. Auch dafür gab es überwiegend Zustimmung.

Oper

Parsifal

Von Richard Wagner

Bayreuther Festspiele

Weitere Termine bis 25. August




Schlagwörter

Opernkritik, Bayreuth

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-28 16:15:06
Letzte ─nderung am 2017-07-31 12:36:07



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