• vom 31.07.2017, 15:57 Uhr

Klassik/Oper


Konzertkritik

Die zwei Gesichter der Letzten Dinge




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Von Judith Belfkih


    Den Reigen der musikalischen Abschiede, der letzten Werke und tönenden Vermächtnisse bei den diesjährigen Salzburger Festspielen setzte sich auch im ersten Konzert der Wiener Philharmoniker fort. Als seelenvoll wissender Abschiednehmer erwies sich am Wochenende Bernard Haitink, der Gustav Mahlers letzte, die 9. Symphonie mit Weitsicht und tiefer Erschütterungskraft realisierte.

    Er konzentrierte sich im Großen Festspielhaus darauf, die zwei Gesichter der sogenannten Letzten Dinge herauszuarbeiten - den absoluten Frieden der ewigen Aussöhnung und das ebenso absolute verzweifelte Aufbegehren des sich aufbäumenden Lebenshungers. Haitink lotete mit den konzentrierten und fein differenzierten Philharmonikern diese Pole in Mahlers Partitur aus. Und ließ sie vor dem jeweiligen Kontrast des andren noch um eine Nuance deutlicher erstrahlen. Aus der vollendeten Seligkeit stürzt es sich noch tiefer in den schmerzvollen Abgrund.


    Berückendes Zerfließen
    Mit den unglaublich zart anhebenden Inseln des wissenden Friedens im ersten Satz und dem zuversichtlichen und fragilen Zerfließen des Finales schuf er eine berückende Klammer, mit der er die volle Klangwucht des Mahlerschen Kosmos umrahmte. Die prachtvolle Derbheit, die unbekümmert Folklore des zweiten oder der spöttische, vor sich selbst fliehende Hohn des dritten Satzes - nie scheute Haitink vor den Grenzgängen der Partitur zurück und realisierte sie in gleißender Klangpracht. Ein bejubelter Philharmonischer Auftakt.

    Konzert

    Wiener Philharmoniker

    Bernard Haitink (Dirigat)

    Salzburger Festspiele




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    Dokument erstellt am 2017-07-31 16:03:03



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