• vom 18.08.2017, 18:29 Uhr

Klassik/Oper


Konzertkritik

Stürmen und Sinnieren




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Von Christoph Irrgeher

  • Der Pianist Maurizio Pollini in Salzburg.

Man hat Maurizio Pollini nicht unbedingt einen Gefallen getan, als man ihn zum "Klavier-Aristokraten" ernannte. Gewiss: Der Ehrentitel untermauert die pianistische Exzellenz des Italieners. Er ebnete aber auch, im Verbund mit mancher glatten Studio-Einspielung, den Weg zu einem Negativ-Bild - vom kühlen Kunst-Blaublütler Pollini.

Als wollte er das zertrümmern, begann der 75-Jährige seinen Abend im Großen Salzburger Festspielhaus denkbar unwirsch. Auf seinen Leibkomponisten Chopin steuerte er mit der Gangart eines Wildfangs zu: Sprunghaft in den Tempi, teils laut mitsingend, zerfetzte Pollini das erste der beiden Nocturnes op. 55 regelrecht.


In der Fis-Dur-Barcarolle mengte sich dann aber Balance ins Spiel. Mag zwar sein: Andere Pianisten stehen hier weniger auf dem Pedal, arbeiten mehr an der Durchleuchtung des vollgriffigen Stücks. Pollini aber ist es mehr um die Ingangsetzung eines delikaten, poetischen Driftens zu tun.

Das glückte dann in der h-Moll-Sonate mustergültig: Da entstand und verebbte ein tiefgründiger Klangfluss, da glänzten nicht nur sehnsüchtig-ariose Oberflächen, sondern wurden auch Tiefenströmungen dynamisiert. Die Farbenpalette seines Spiels reizte Pollini bei Debussys zweitem Präludien-Buch von 1912 voll aus: Musik, die nur so duftet vor Lyrik, die Tonalität aber teils weit hinter sich lässt. Pollini kaschierte dies nicht, kostete glitzrige Farbtupfer ebenso aus wie herbe Schreckakkorde: Standing Ovations.

Konzert

Maurizio Pollini (Klavier)

Werke von Frédéric Chopin und Claude Debussy

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus




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Dokument erstellt am 2017-08-18 16:51:17



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