• vom 20.08.2017, 19:07 Uhr

Klassik/Oper

Update: 22.08.2017, 15:32 Uhr

Wiener Philharmoniker

Ein 90-jähriger Wunderknabe




  • Artikel
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christoph Irrgeher

  • Hinreißend: Herbert Blomstedt mit den Wiener Philharmonikern in Salzburg.

Dass sie ihn nicht früher entdeckt haben, ist fast ein Skandal. Aber besser spät als nie: 2011 führte Herbert Blomstedt bei den Wiener Philharmonikern erstmals den Taktstock und knackte dabei als 83-jähriger Ersatzmann vermutlich den Rekord als dienstältester Einspringer. Weil die Wiener seither Blomstedts Vitalität schätzen und sich an dieser gottlob bis heute nichts geändert hat, entwickelte sich eine Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen.

Der Schwede hat sein episches Musikerleben ja nicht nur mit diversen Chefposten zugebracht (etwa bei der Staatskapelle Dresden, dem San Francisco Symphony Orchestra oder dem Gewandhausorchester Leipzig), er entwickelte sich zur Koryphäe für die Symphonien eines Anton Bruckner und Carl Nielsen und weiß in deren Mammut-werken nicht zuletzt mit dem Blechbläser-Apparat trefflich umzugehen. Eine Instrumentengruppe, die gerade bei den Wienern ihre ganz eigenen, warm-runden Reize birgt.

Information

Konzert
Wiener Philharmoniker
Herbert Blomstedt (Dirigent)
Salzburg, Großes Festspielhaus


Voll ausgespielt wurden diese Kompetenzen am Wochenende im Großen Salzburger Festspielhaus. Nach einer bis in die letzte Note gespannten Wiedergabe von Richard Strauss‘ Weltkriegs-Lamento, den "Metamorphosen" für 23 Solo-Streicher, war Bruckners Siebente Symphonie angesetzt: ein 60-Minuten-Gigant zwischen sehnsüchtigen Streicher-Sphären und massiven Blech-Chorälen.
 
Setzen andere Dirigenten bei der Abwicklung dieses Koloss auf gliedernde Generalpausen und wuchtige Akzent-Pfeiler, hält Blomstedt die Musik bevorzugt samtpfötig, gern auch mit soften Einsätzen im Fluss. In der Sanftmut liegt die – letztlich auch hier angepeilte und freigesetzte – Kraft, und sie erwächst auch aus einer Flexibilität, mit der Blomstedt selbst kurzen Melodien beredten Gefühlsausdruck verleiht und etwa den Einstieg ins Finale liebenswürdig grazil tönen lässt. Gut: Im Scherzo fallen die Musikergruppen zweimal kurz auseinander, beginnen die Posaunen (in der Samstagsaufführung) etwas zu früh mit ihrem chromatischen Abwärts-Riff. Es gilt da aber auch in Rechnung stellen, dass Blomstedt, der mittlerweile 90-Jährige, seinen Dienst nicht mehr im Stehen verrichten kann, sondern den Philharmonikern als eine Art Vorsitzender von einem Sessel aus zuarbeitet. Zuletzt rasender Beifall für den Senior, der den Musikern und Zuhörern mit knabenhaft-quirliger Euphorie dankt.
 




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-20 19:08:32
Letzte nderung am 2017-08-22 15:32:03



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Zerbricht der Westen?
  2. "Selbstfesselung der linken Parteien"
  3. Puls-4-Reporter bei FPÖ-Wahlfeier geschlagen
  4. Abgesang an das US-Mantra
  5. Freie Sicht auf den Abgrund
Meistkommentiert
  1. Das Hosentürl zum Ruhm
  2. Menasse gewinnt den Deutschen Buchpreis
  3. Ausgespielt?
  4. Tumulte bei Höcke-Auftritt
  5. Eine unbemerkte Künstlerfreundschaft

Werbung




Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.


Werbung


Werbung