• vom 21.08.2017, 16:10 Uhr

Klassik/Oper

Update: 21.08.2017, 16:34 Uhr

Oper als Konzert

Der deutsche Wald ohne Baum und Borke




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Von Viktoria Klimpfinger

  • In Grafenegg bespielt ein eigenwilliger "Freischütz" die Bühne des Wolkenturms und eröffnet das Klassikfestival wie gewohnt in einer Top-Besetzung.

Uraufgeführt in Berlin, zensiert in Wien, umkomponiert in Paris - "Der Freischütz" ging in unterschiedlichsten Fassungen durch die Opernhäuser. In Grafenegg eröffnet die Parade-Oper der deutschen Romantik in konzertanter Adaption die Festspielbühne. Doch zuvor bläst, wie jedes Jahr, eine Fanfare zum Auftakt, diesmal aus der Feder des amerikanischen Komponisten Brad Lubman. Gekonnt schafft er den Spagat zwischen traditioneller Rhythmik und modernerem Tonfall.

Einen großen Bogen zu spannen, das fordert auch der "Freischütz". In seinem Paradebeispiel romantischer Motivik stellt Carl Maria von Weber das Zarte neben das Bedrohliche, das Gute neben das Böse. Zu Recht drängt sich die Frage auf, wie viel von einer derart mystischen Oper erhalten bleibt, verweigert man ihr die Inszenierung. Konzertant geht es natürlich um die nicht minder eindrucksvolle Musik. Aber lässt sich die Schauermagie des deutschen Waldes rein musikalisch überhaupt erzeugen?

Information

Der Freischütz (konzertant)
Grafenegg-Festival

Mit einiger Anstrengung versuchen es die Tonkünstler unter dem Taktschlag von Yutaka Sado zu bewerkstelligen. Besonders lebendig wird die Oper aber erst, wenn der Arnold-Schönberg-Chor die Stimmung zeichnet: Schließlich entsteht doch eine Art geheimnisvoller Zauber, wenn Kaspar (Tuomas Pursio) von schicksalhaften Chorälen in die Wolfsschlucht begleitet wird und dort mit dröhnendem Bassbariton das Gießen der verhängnisvollen Freikugeln besingt. Im Gegensatz dazu gibt Gal James eine zurückhaltend-zarte Agathe, die gegen die undimmbare Bühnenpräsenz einer Daniela Fally (Ännchen) freilich nur schwer ankommt.

Kapazunder seines Faches ist hier sogar der Erzähler: Mit Zwischentexten von Christoph Klimke führt Otto Schenk gewohnt charmant durch den Abend - was macht da schon der eine oder andere Stolperer beim Lesen.

Und hochkarätig geht es auch in den nächsten Wochen weiter - vom Shanghai Symphony Orchestra bis zu den Wiener Philharmonikern. Mit Koryphäen wie Diana Damrau, Daniil Trifonov und dem künstlerischen Festivalleiter Rudolf Buchbinder selbst lockt Grafenegg noch bis 10. September.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-21 16:15:06
Letzte ─nderung am 2017-08-21 16:34:19



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