• vom 28.08.2017, 17:00 Uhr

Klassik/Oper

Update: 29.08.2017, 13:18 Uhr

Salzburger Festspiele

Das Publikum macht sich seine Festspiele




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Von Reinhard Kriechbaum

  • Das letzte Festspiel-Wochenende brachte Anne-Sophie Mutter, die Wiener Philharmoniker und eine konzertante Donizetti-Oper.

Nicht nur die Musik muss einem ein bisserl leid tun, schon auch ihre Interpretin. Seit vier Jahrzehnten hechelt Anne-Sophie Mutter jenem Ruhm nach, den ihr als Dreizehnjährige Herbert von Karajan eingebrockt hat. Dabei ist Anne-Sophie Mutter beileibe nicht jene Klassik-Pop-Hochglanz-Artistin, für die sie ihre Fangemeinde hält. Die ist ja so zahlreich, dass man im Großen Festspielhaus auch Seitensitze aufstellen muss (was in diesem Sommer sonst nur bei Grigori Sokolov nötig war).

Das Problem der Mutter’schen Karriere ist, dass sie all die Jahrzehnte hindurch nie wirklich Spitze war. Immer sind einem zehn Namen eingefallen, die technisch firmer, stilistisch unbestechlicher, gestalterisch authentischer gespielt haben oder spielen. Allein in den letzten sieben Tagen sind in Salzburg aufgetreten: Vilde Frang, Ilya Gringolts, Frank Peter Zimmermann. Auch Patricia Kopatchinskaja war diesen Sommer schon da. Die alle legen die Messlatten hoch, und Anne-Sophie Mutter, diese intelligente Musikerin, die zum Opfer ihrer eigenen Marke geworden ist, versucht da und dort, der Konkurrenz nachzueifern - und dabei wirkt sie wie eine strebsame Arbeitsbiene, die doch beständig an gläserne Scheiben stößt.Aber was sollen alle Vorbehalte: Die Begeisterungsbereitschaft des Publikums entsprach voll und ganz einem Abend mit Anne-Sophie Mutter. Zu solchem Anlass machen sich die Zuhörer ihr Festspiel einfach selber.

Schweres Blech

Reden wir von den erfreulichen Dingen des letzten Salzburger Festspiel-Wochenendes. Da waren die letzten beiden Matineen der Wiener Philharmoniker, unter Daniel Barenboim.Die Wolken massieren sich im schweren Blech, und die scharf punktierten Noten in den Streichern lassen auch nicht gerade Zutrauen aufkommen. Aber an den Rändern der Wolken sieht man doch noch viel blauen Himmel über Österreich, über dem Wien des Fin de siècle.Und wenn dann erst die Solotrompete anhebt! Sie zieht Bläserchoräle nach sich, in denen höchstens die eine oder andere Klarinettenschärfe leicht irritiert. Spätestens mit dem Aufrauschen der Harfe ist die heile Welt beschworen - die Stelle für Daniel Barenboim schlechthin, wie überhaupt ihm Gustav Mahlers "Siebente" von der Hand geht, als wäre sie ein Spiegel seiner Harmonie-Sehnsucht.Satz um Satz lässt Barenboim feine, wehmutsvolle Idylle-Bilder entstehen. Die in die erste Nachtmusik hinein bimmelnde Kuhherde (oder sind’s doch eher Ziegen?): Die Herde jedenfalls könnte abgebildet sein auf einer Korrespondenzkarte aus einer Zeit, da man noch nicht Urlaub, sondern Sommerfrische gemacht hat. Und dann die Rundung in Barenboims ohnedies schon runden philharmonischem Österreich-Tableau: Wie die imperiale Bestätigung der guten alten Monarchiezeit wirken die Bläser-Türme, und wie der Segen von oben kommt das finale Gebimmel der Röhrenglocken.

Feine Farben

Die letzte konzertante Oper in Salzburg hat Donizettis "Lucrezia Borgia" gegolten. Auf dieser Schiene geht es um Sänger-Kulinarik, und da wurde wieder groß und gediegen aufgekocht. Als erste ist Krassimira Stoyanova zu nennen, die nicht nur alle Tessitura-Klippen der Titelpartie mit sagenhafter Wendigkeit und Eleganz umschifft. Diese eigenartige Geschichte, in der sich der Sohn ausgerechnet in seine ihm unbekannte Mutter verliebt (sie weiß aber schon, wie viel es geschlagen hat) braucht auch nicht wenig Gefühls-Vermittlung.Leicht wird’s nicht glaubwürdig, aber die Stoyanova macht das souverän.Der junge Hitzkopf Gennaro war Juan Diego Flórez. Nicht der Spezialist in differenzierter Gestaltung, aber hier wie immer derjenige, den man wegen seiner immer leuchtenden hohen "C" schätzt. Der finstere Gegenspieler des Liebespaars: Ildar Abdrazakov. Feine Besetzungen auch rundherum.Das Mozarteumorchester hat gespielt, mit feinen Holzbläserfarben überzeugt und sich im übrigen auf seine Stimmführer viel mehr verlassen als auf den Dirigenten Marco Armiliato. Damit war es gut beraten.

In Ö1 und BR-Klassik am 2. September um 19.30 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-29 13:12:03
Letzte ─nderung am 2017-08-29 13:18:11



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