• vom 13.11.2017, 17:03 Uhr

Klassik/Oper

Update: 16.11.2017, 16:11 Uhr

Konzertkritik

Musik hinter dem Klang




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Von Andreas Meier

  • Patricia Kopatchinskaja spielte Strawinski im Konzerthaus.

Maurice Ravels "Le tombeau de Couperin", Igor Strawinskis Violinkonzert und Ludwig van Beethovens Dritte Symphonie: Zwei Werke, die in die Vergangenheit blicken, und eine Sinfonie, die zukunftsweisender kaum sein könnte. Dirigent Alain Altinoglu, der mit dem London Philharmonic Orchestra (LPO) im Wiener Konzerthaus debütierte, konnte diese programmatische Spannung nur teilweise hörbar machen.

Bei Ravel mündeten seine großflächigen Phrasierungen und langsamen Tempi in einen impressionistischen Klangteppich, der dem Ohr zwar schmeichelte, den tänzerischen Charakter des Werks aber überspielte. Das LPO beeindruckte mit sattem und flexiblem Klang, der auch bei Beethoven oftmals für die fehlenden Konturen entschädigte. Obwohl auch hier vieles hinter der dichten Streicherwand und emotional überladenen Gestaltung nur zu erahnen war, zeichnete die Interpretation vor allem in den Ecksätzen ein äußerst organisches und packendes Bild.


Während Altinoglu so einen stringenten, aber zu gleichförmigen Mittelweg wählte, war die Solistin des Abends, Patricia Kopatchinskaja, in Strawinskis Violinkonzert an allen musikalischen Ecken und Enden zu finden. Ihr frisches, mal augenzwinkerndes, mal tiefgründiges Spiel, ließ alle technischen und virtuosen Aspekte des Werks vergessen und stattdessen wie improvisiert entstehen und aufblühen. Mit ihrer klanglichen Vielseitigkeit und mitreißenden Spielfreude löste sich die Komplexität des Werks vor den Ohren des begeisterten Publikums in absolute Unmittelbarkeit auf.

Konzert

London Philharmonic

Patricia Kopatchinskaja (Violine)

Alain Altinoglu (Dirigent)

Konzerthaus




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-13 17:08:06
Letzte ─nderung am 2017-11-16 16:11:07



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