• vom 14.11.2017, 17:07 Uhr

Klassik/Oper

Update: 14.11.2017, 17:23 Uhr

Konzertkritik

Im Tollhaus der Reizüberflutung




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Lena Dražić

  • Das Arditti Quartet beim Festival Wien Modern im Konzerthaus.

Jennifer Walshe.

Jennifer Walshe.

Ist das Neue Musik? Von exaltierter Gestik begleitet, krächzt eine Frau Wortfetzen ins Mikrofon, während ein Video eine rabiat geschnittene Collage digitaler Fundstücke zeigt - von DNA-Chips bis zur nuklearen Katastrophe. Dazu liefern die Streicher des Arditti Quartet eine elektronisch verstärkte, Tonales zitierende Geräuschkulisse, wenn sie nicht gerade selbst als Darsteller in Erscheinung treten. Mit "Everything is Important" betritt die Irin Jennifer Walshe Regionen fern des mitteleuropäischen Klangideals "ernster" Musik.

Auch die Rolle der Komponistin ist eine andere, stand sie bei der österreichischen Erstaufführung doch selbst auf der Bühne und dominierte mit ihrer manischen Imitation von Bruchstücken aus dem Tollhaus der medialen Reizüberflutung. Walshe errichtet keine Barriere gegen den Alltagslärm, sondern lässt ihn klanglich und bildlich von ihrer Musik Besitz ergreifen - ein beunruhigender Trip abseits hochkultureller Subtilität.

Information

Konzert
Wiener Konzerthaus
Arditti Quartet

Im ersten Teil seines Wien-Modern-Gastspiels präsentierte das Arditti Quartet eher das, was man hierzulande unter Neuer Musik versteht. Passend zum Festivalmotto "Bilder im Kopf" ließ sich Clemens Gadenstätter durch Francis Bacons Papst-Bilder zur hochenergetischen Uraufführung "reissen/paramyth 3" inspirieren, die die Ausdrucksmöglichkeiten der Gattung auf die Spitze treibt.

Davor changierte Hugues Dufourts "Dawn Flight" zwischen Spektral-Harmonie und virtuosem Stimmengeflecht und komprimierte Gösta Neuwirth in seinen "Sieben Stücken für Streichquartett" expressive Gesten zu fast Webern’scher Knappheit. Reger Beifall.





Schlagwörter

Konzertkritik, Wien Modern

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-11-14 17:11:05
Letzte nderung am 2017-11-14 17:23:34



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. David Cassidy gestorben
  2. Kinobranche hofft auf Streaming
  3. Trauer um einen Parade-Onegin: Hvorostovsky ist tot
  4. Eine Stadt entsteht
  5. Hartnäckige Fake News
Meistkommentiert
  1. Ungeknickt durch den Sturm
  2. Deutscher Karikaturenpreis für Erdogan-Zeichnung
  3. Verhandler könnten ORF-Gebühr kappen
  4. AC/DC-Gitarrist Malcolm Young ist tot
  5. "Künstler haben immer recht"

Werbung




CHAMPIGNON, 1850, Sepia, Kohle, Fettstift, Gouache auf Papier, 47,4 x 60,8 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey,

Edvard Munch beschäftigte sich in zahlreichen Werken mit dem Thema Melancholie, die er bevorzugt als einsame Person am Strand darstellte. Ein riesiges Medieninteresse begleitete den kurzen Auftritt des österreichischen Hollywood-Exports Christoph Waltz bei seinem Besuch der Viennale.

Viennale-Interimschef Franz Schwartz (links) mit dem Stargast der Eröffnung: Schauspieler John Carroll Lynch zeigte sein Regiedebüt "Lucky" als Eröffnungsfilm der Viennale. Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.


Werbung


Werbung