• vom 19.10.2012, 16:39 Uhr

Klassik/Oper

Update: 19.10.2012, 16:53 Uhr

David Garrett

"Meine Heimat ist die Klassik!"




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In Stadien lauschen dir Tausende. Könntest du dir vorstellen, einmal zeitgenössische klassische Musik zu spielen? Die wäre so ungefähr das Gegenprogramm: für die Hörer sehr fordernd und wenig zugkräftig.

Kommt auf das Werk an. Ich muss es mögen. Man muss hinter einem Produkt stehen.

Du sagst, du tust nur, was du willst. Aber steht man nicht auch im Crossover-Bereich unter Druck? Unter dem Zwang zu möglichst sexy Outfits und vor allem peppigen, bombastischen Arrangements?

Nein. Es passiert so viel bei einer Crossover-Show, dass ich es ganz wichtig finde, währenddessen auch einmal musikalisch den Dampf rauszunehmen und etwas rein Klassisches zu spielen. Wenn einem dann 15.000 Menschen zuhören, ist es eine ganz große Sache.

Ein Lieblingsargument von Crossover-Künstlern ist, dass sich ein Publikum, das ihnen zuhört, dann auch umso eher für "echte" Klassik begeistern ließe. Klappt das denn wirklich?

Kommt darauf an, was für ein Künstler man ist. Es stimmt sicher, wenn er gut spielt, wenn er in beiden Genres liefern kann. Das Publikum folgt ja auch ein Stück weit der Person des Künstlers. Ich biete nach einer Crossover-Tour etwas Klassisches an, und ich sehe dann, wenn ich Beethoven spiele, so ziemlich dasselbe Publikum wie beim Crossover-Projekt - also drei Generationen, viele junge Menschen, auch einige ältere.

Wenn aber jemand - wie du in deinem neuen Programm "Music" - ein Beethoven-Scherzo so spielt, dass es überspitzt gesagt mehr nach Disco klingt als nach Klassik: Würden die Konsumenten dieses Beethovens dann tatsächlich auch das Originalwerk schlucken?

Es geht mir in erster Linie nicht um einen Vergleich mit dem Original - das wäre verrückt. Ich versuche, Aufmerksamkeit für ein Stück zu schaffen und es ein Stück weit in die heutige Zeit zu bringen. Für mich ist ein guter Rhythmus oder eine gute Harmoniefolge zeitlos. Mir geht es darum, dass man sieht: Diese Musik lebt! Die Instrumentierung war damals anders. Wer weiß, was Beethoven heute schreiben würde.

Das Beethoven-Original war jedenfalls deutlich komplexer. Du hast die diffizilen Stellen aus dem Scherzo der Neunten gestrichen.

Das Konzept war ein bisschen Rock’n’Roll. Der ist ziemlich simpel. Dementsprechend habe ich’s simplifiziert, ganz klar.

In der TV-Aufzeichnung deines neuen Programms sieht man, wie dir eine Frau auf die Bühne gebracht wird. Sie lauscht dir aus nächster Nähe. Das wirkt irgendwie, als würde die Genieästhetik der Klassik auf Stadion-Maßstäbe übertragen.

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Schlagwörter

David Garrett, Crossover

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Dokument erstellt am 2012-10-19 16:44:07
Letzte Änderung am 2012-10-19 16:53:51



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