• vom 21.10.2013, 16:28 Uhr

Musik


Wiener Konzerthaus

Offene Türen und ein Programm zum Selberbasteln




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  • Das Konzerthaus feierte seinen 100. Geburtstag mit einem Fest der Vielfalt.

Gustavo Dudamel hatte seine Freude an Beethovens Neunter Symphonie.

Gustavo Dudamel hatte seine Freude an Beethovens Neunter Symphonie.© www.lukasbeck.com Gustavo Dudamel hatte seine Freude an Beethovens Neunter Symphonie.© www.lukasbeck.com

Wien. (draz/irr) "Ein Haus für die Musik und ein Haus für Wien" wollte das Wiener Konzerthaus von seiner Gründung an sein. Beherbergten sie einst sportliche Wettkämpfe und Modenschauen, so ist die Volksnähe der vor 100 Jahren von Fellner & Helmer gebauten Hallen in den letzten Jahren doch merklich zurückgegangen. Am Sonntagnachmittag, als das Haus am Heumarkt seine Pforten zu einer Reihe illustrer Miniaturkonzerte bei freiem Eintritt öffnete, schien die Vision eines "Sammelpunkts künstlerischer Bestrebungen" für breite Bevölkerungskreise womöglich greifbarer als sonst.

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Bei diesem "Fest für Freundinnen und Freunde" war das Publikum dazu aufgefordert, sich nach dem Baukasten-System sein eigenes Konzertprogramm zusammenzustellen. Mit klingenden Namen wurde nicht gegeizt, wobei etliche davon in ungewohnter Rolle zu erleben waren: So begleitete Salzburgs designierter Festspielintendant Markus Hinterhäuser die hingebungsvolle Patricia Kopatchinskaja in Galina Ustwolskajas Duett für Violine und Klavier, während das perlende Klavierspiel von RSO-Chef Cornelius Meister Luca Pisaronis gewitzte Darbietung früher Musical-Songs unterstützte. Im selben Block war auch Beethovens Duett "Merkenstein" zu hören, das - wenn auch beherzt vorgetragen von Juliana Di Giacomo und Katarina Karnéus - zu Recht zu den weniger beachteten Bemühungen des Bonner Meisters gezählt werden muss.

Dass es hier dennoch zu Ehren kam, liegt an der Idee, passend zur 100-Jahr-Feier des Hauses Werke mit der Opuszahl 100 ins Programm zu mischen. Wenig überraschend handelt es sich dabei jedoch nicht immer um Meisterwerke. So zählen auch Haydns Divertimenti für Streichtrio nicht zu den großen Würfen des Komponisten, gefielen aber dennoch in der kenntnisreichen und lebendigen Wiedergabe durch Mitglieder des Concentus Musicus.

Brahms’ A-Dur-Sonate für Violine und Klavier andererseits hört man immer wieder gern, auch wenn Julian Rachlins süßliche und risikofreie Wiedergabe - trotz Stefan Vladars einfühlsamer Begleitung - nicht recht zu überzeugen vermochte. Wie anders klang Brahms doch in der Interpretation von Elisabeth Leonskaja und Jörg Widmann: Der Klarinettist erwies sich in der f-Moll-Sonate als Meister der ansatzlosen Phrasenanfänge und feinsten Übergänge, während die Pianistin in einer expressiven, aber nie exzessiven Ausleuchtung sanfter Melancholie die Tugend des rechten Maßes demonstrierte: Möge das Konzerthaus auch in Zukunft viele solcher Momente bieten.

Effektvolles Kontrastmittel
Momente der Vergangenheit erstanden am Samstag vor dem geistigen Auge: Neben Bundespräsident Heinz Fischer trat auch der österreichische Komponistendoyen Friedrich Cerha bei der Feierstunde ans Rednerpult: Er würdigte eine "musikalische Heimstatt". Neointendant Matthias Naske betonte wiederum, dass das Haus auch künftig ein nahbarer Raum der Vielfalt und der mutigen Klänge sein soll: ein "Sehnsuchtsort". Stille Wünsche durchwirkten den Beifall: Möge sich die öffentliche Hand weit genug auftun, um das verschuldete Haus für die Fortführung seiner Mission freizuspielen.

Das zeitgenössische Moment dieser Mission kam auch im samstägigen Festkonzert mit den Wiener Philharmonikern zur Geltung. Womöglich nur etwas stärker als geplant: Weil das Heißsporn-Dirigat von Gustavo Dudamel eine (bis zur Hälfte) lediglich wackere Wiedergabe von Beethovens Neunter bescherte, blieb vom vorigen Stück umso mehr haften - einem neuen Chor- und Streicherwerk von Aribert Reimann. Der vertonte jene Worte der Ode "An die Freude", die Beethoven ausgespart hatte, und schuf mit seinem "Prolog" zugleich ein effektvolles Kontrastmittel: Zeilen wie "Untergang der Lügenbrut!" peitschten Streichermeere auf; das düstere Gewühl galt auch den Opfern von Auschwitz.




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Dokument erstellt am 2013-10-21 16:32:04


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