Auf den britischen Inseln ticken die Uhren anders: So viel wurde beim Wien-Modern-Debüt des Tonkünstler-Orchesters klar. Konfrontiert wurden da im Musikverein nicht nur zwei Festival-Schwerpunkte, sondern auch zwei höchst unterschiedliche Auffassungen von Neuer Musik. Die erste Konzerthälfte wurde von Kompositionen aus Großbritannien ausgefüllt, die nicht zuletzt die Gelegenheit boten, eine mitteleuropäisch geprägte Avantgarde-Ästhetik zu relativieren.
Die euphonischen Klangmassen von Emily Howards "Magnetite" und Peter Maxwell Davies stark an der Romantik orientiertes Violinkonzert "Fiddler on the Shore" boten hierzulande ungewohnte Beispiele zeitgenössischen Komponierens, in dem Konsonanzen, ätherische Harmonien und das sorglose Auflebenlassen von Gattungstraditionen keineswegs verpönt sind. Letztere prägten etwa Davies Violinkonzert mit seinen heftig bewegten Tutti-Passagen, mit denen die brillanten Auftritte von Daniel Hopes Solo-Violine kontrastierten.
Wolfgang Mitterer kommt der hiesigen Vorstellung von Neuer Musik schon viel näher, auch wenn er alles andere als ein puristischer Avantgarde-Jünger ist. Auch sein Auftragswerk "raetselhaft", das die Tonkünstler aus der Taufe hoben, kommt nicht ohne die für Mitterer typische Montage heterogener Zustände, elektronische Zuspielungen und den unbekümmerten Umgang mit Zitaten aus. Die Tonkünstler unter ihrem Chef Andrés Orozco-Estrada zeigten sich mit diesem Stück von ungewohnter Seite, die ihnen aber keineswegs schlecht anstand.
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