Enoch zu Guttenberg, fränkischer Schlossherr und Dirigent, ist ein fanatischer Ausdrucksmusiker. Stets geht ihm Emotion vor Perfektion, und unermüdlich schürft er nach allen Möglichkeiten des intensiven Ausdrucks. So zu erleben bei einer eindrucksvollen Wiedergabe von Verdis Messa da Requiem im Musikverein, die sich bewusst von einer allzu plakativen Italianità abheben sollte.
Gleichsam anti-italienisch war bereits das Solistenquartett besetzt. Malin Hartelius kennt man vor allem als leichten, lyrischen Mozartsopran. Aber trotz schwacher Tiefer schwang sie sich doch engelsgleich über alle Klangmassen empor. Im Wagner-Fach beheimatet hingegen ist der Mezzo von Mihoko Fujimara mit der schlanken, stählernen Kraft der Spitzentöne.
Tonschönes Orchester
Von daher stammt auch das Urgestein Matti Salminen; hier imponierte er primär durch seine persönlichkeitsstarke Gestaltung und die enorme Präsenz seines voluminösen, wuchtigen Basses. Dazu gesellte sich der aus Korea stammende Alfred Kim mit metallisch hellem Tenor, der im bekannt heiklen "Hostias" aber auch ein berückendes Piano entfalten konnte.
Trotz seines bürokratisch anmutenden Namens erwies sich das Orchester der KlangVerwaltung München als tonschön und farbenreich musizierendes Ensemble. Und ebenso sicher wie gewaltig tönte die Hundertschaft der Chorgemeinschaft Neubeuern. Ein Höhepunkt des Abends: Wie zu Beginn des Agnus Dei Sopran und Mezzo gleichsam zu einer einzigen Stimme verschmolzen.
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