Darf man im Zeitalter der Originalklangbewegung Bachs Werke für Cembalo auf dem modernen Konzertflügel spielen? Selbstverständlich, wenn man nicht mit dem Klavier den spezifischen Klang des historischen Instruments nachahmen möchte, wie dies bisweilen geschehen ist.
Im Konzerthaus trat Grigorij Sokolov den überzeugenden Beweis dafür an. Beim "Italienischen Konzert" und der "Ouverture nach Französischer Art" aus Bachs "Zweytem Theil der Clavier Übung" faszinierte speziell die leuchtende Kantabilität seines Anschlags, triumphierte seine suggestive Kraft der Versenkung in den Geist der Musik. Elegant hob er die tänzerische Anmut der einzelnen Sätze hervor; raffiniert setzte er den geforderten Klangkontrast der beiden Cembalomanuale in das Gegenüber von Vitalität und Zartheit um.
Nach der Pause schlug der russische Meisterpianist mit den Händel-Variationen op. 24 von Johannes Brahms die Brücke vom Barock zur Romantik. Auch hier konfrontierte er donnernde Akkordgewitter mit sensibelst hingepinselten Episoden. Und mit den Drei Intermezzi op. 117 zeigte er zuletzt den weiten Weg des Komponisten vom jugendlichen Feuer zum resignativen Spätstil auf. Das freilich mit einer so überwältigenden Tiefe der Empfindung, einer solchen tonlichen Wärme und eindringlichen Souveränität der Gestaltung, dass jeder Versuch einer Analyse daran abprallen musste. Der Jubel schon zur Pause steigerte sich zuletzt zum Orkan. Und nach der sechsten Zugabe hörte ich auf zu zählen . . .
Auf tiefste Verinnerlichung folgte tags darauf der Triumph des schönen Scheins: Im Musikverein spielten die Wiener Symphoniker unter Fabio Luisi "Eine Alpensymphonie" op. 64 von Richard Strauss. Mit leidenschaftlich fordernder Gestik entrollte der Dirigent das imposante Klanggemälde dieser "genialsten Filmmusik aller Zeiten"; sorgfältig arbeitete er dabei die dichte Verarbeitung ihrer an sich recht einfach erfundenen Themen heraus. Und abgesehen von einigen marginalen Präzisionsmängeln bot das Orchester eine eindrucksvolle Interpretation: Gewaltige Klangpracht stand ausgezeichneten solistischen Passagen gegenüber, so etwa am Konzertmeisterpult, an der Oboe, dem seltenen Heckelphon oder der Trompete, um nur einige zu nennen.
Fulminante Improvisation
Vorausgegangen war dem das Orgelkonzert von Paul Hindemith aus dem Jahr 1962. Mit seinem dichten Stimmengeflecht ist es ein nicht leicht zugängliches Werk; immerhin gefallen einige originelle Passagen im Scherzo, imponiert die gewaltige Choralphantasie im Finale. Am meisten fesselt jedoch die zentrale Solokadenz; sie bot dem exzellenten Solisten Martin Haselböck die Gelegenheit, eine Wunderwelt an Farben aus der neuen Rieger-Orgel zu zaubern. Mit einer fulminanten Improvisation als Zugabe krönte Haselböck seine herzlich bedankte Leistung.
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Konsequenz: Wenn ein einziges Wort gibt, das die US-Band Shellac beschreiben kann, dann dieses. Denn Shellac sind konsequente Musiker in Takt...
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