Ludwig van Beethovens "Christus am Ölberg" verlangt eine gewisse Grundmuße; genau, wie der Genuss seines Oratoriums zu Jesu letzten freien Momenten durchwegs Kontemplation erzeugen kann. Oder, wie im Falle Johan Bothas, auch jede Menge Übermut. Mit stolzgeschwellter Brust lieh der Publikumsliebling beim Osterklang im Theater an der Wien einem wenig leidenden, selbstbewussten Erlöser sein kraftvollstes, strahlendes Timbre. Bald stellte sich - bei aller geschätzten Wortdeutlichkeit - die Frage, wozu ein solch starker Heiland den Vater um das Senden von "Trost und Kraft und Stärke" bat.
Delikat und akkurat
An Bothas Seite stand neben dem vorzüglichen Petrus von Gerald Finley ein ebenfalls eindringlicher Verkündiger von Gottes Wort - Camilla Nylund lieh dem Seraph ihren hochdramatischen Sopran. Die Damen und Herren vom Arnold Schönberg Chor liehen der Aufführung jedenfalls einen würdigen Charakter. Würde und Authentizität zeichnete auch die Interpretation der Wiener Philharmoniker aus. Wie schon bei der Uraufführung 1803 erklang in dem Theater Beethovens "Ölberg" in Kombination mit seiner zweiten Symphonie. Delikat gelang bereits das Eröffnungsadagio, die trockene Akustik des Hauses verstärkte die Akkuratesse im Larghetto. Das Finale offenbarte den seinerzeit bevorstehenden Weg Beethovens in die große, weite Komponistenwelt. Dirigent Philippe Jordan ließ aktuell mit präzisen, schlichten Anordnungen ein Stück Altwiener Klangkultur einfach hochleben.
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