Ohne die Werbetrommel für mehr oder wenige heimische Klavierfabrikanten rühren zu wollen: Es ist schade, gerade so urwüchsige Musik des 19. Jahrhunderts wie Brahms op.117 Intermezzi und Liszts h-Moll-Sonate immer und immer wieder im international austauschbaren Klanggewand zu erleben. Nicht, dass Gabriela Montero ein schlechtes Instrument für ihre ersehnte Wiederkehr nach Wien gewählt hatte. Allerdings geriet der Versuch, das unglaubliche Lisztsche Werk und Brahms Abgesänge de facto ohne Bässe und nur mit einem sehr lapidaren Diskant versehen zu genießen, zur Mutprobe - die teilweise gelang.
Nüchterne Sachlichkeit
Die venezolanische Pianistin widmete sich auf wunderbar nüchterne Weise den Intermezzi des Hamburgers. Spätestens im cis-Moll ging ein zart gezeichnetes Bild des typischsten Rauschebarts der Musikwelt vorüber. Ähnlich sachlich ging sie auch Liszts Sonate an. Die Intimität stand dem Konzerthaus gut und das Publikum lauschte gebannt - auch auf die vielleicht schon zu beiläufig funkelnden Höhepunkte.
Ein übliches Highlight von Monteros Gastspiel wurde ihr improvisatorischer Dialog mit dem Publikum. Aufgewärmt von südamerikanischen Rhythmen eines Ernesto Lecuona oder Moisés Moleiro ging sie gerne auf die Hörerwünsche ein. Und brachte mit ihrem beeindruckend spontanen Können die Augen der Besucher zum Strahlen. Hand aufs Herz: In welchem Konzert trifft schon Disneys "Dschungelbuch" auf Claude Debussy, versteckt sich der "Donauwalzer" hinter barockem Bach und tanzt Gene Kelly mit Ludwig van Beethoven?
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