Wer außer Christian Thielemann brächte wohl das Kunststück zuwege, mit einem reinen Schumann-Programm ein ganzes Konzert aufregend zu gestalten? Da war am Wochenende im Musikverein nichts vom Eindruck des allzu Bieder-Deutschen zu verspüren, den Robert Schumanns Symphonien zuweilen vermitteln. Vielmehr bewies Thielemann gemeinsam mit den glanzvoll aufspielenden Wiener Philharmonikern schlagend, dass daran lediglich fantasielose Interpretationen Schuld tragen.
Nicht am Notentext kleben
Denn anstatt am puren Notentext zu kleben, arbeitete Thielemann jedes Detail, jede Phrase, jedes Motiv mit unablässig fordernder, rückhaltloser Körpersprache plastisch heraus, eingebettet in sinnvolle, stets organisch wirkende Tempomodifikationen. So mündeten etwa verhalten-spannungsreiche Piano-Strecken mit zwingend aufgebauter Steigerung in kraftvollen Höhepunkten. Dazwischen gelangen einige sensibel gestaltete Übergänge; und feurig trieb der Dirigent die Finalsätze zu zündenden Schlusswirkungen.
Das begann mit der munteren Mini-Symphonie "Ouvertüre, Scherzo und Finale" op. 52, setzte sich fort mit der Ersten (der "Frühlings-")Symphonie und kulminierte zuletzt in einer hinreißend musizierten Vierten. Keine Frage, dass das Orchester begeistert mitging! Dazwischen hatte sich Rainer Küchl den hohen Anforderungen der Fantasie für Violine und Orchester op. 131 gestellt.
Am Ende heftige Akklamationen für Thielemann.
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