• vom 22.05.2012, 18:23 Uhr

Konzert

Update: 22.05.2012, 19:39 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Russische Seele am Ufer der Themse


Von Gerhard Kramer

  • Zwei Abende mit dem London Symphony Orchestra und Valery Gergiev.

Hohe Schallpegel, viel Beifall: Valery Gergiev.

Hohe Schallpegel, viel Beifall: Valery Gergiev.apa/Pfarrhofer Hohe Schallpegel, viel Beifall: Valery Gergiev.apa/Pfarrhofer

Wien. "Meine zärtliche Neigung für diesen Komponisten", das "bewunderungswürdige Talent dieses Mannes": Die Verehrung, die Igor Strawinski seinem großen Landsmann Tschaikowski entgegenbrachte, spiegelt sich in solchen und ähnlichen Äußerungen wider. Es war also durchaus sinnvoll, dass das London Symphony Orchestra unter seinem Chefdirigenten Valery Gergiev im Konzerthaus Werke der beiden Meister einander gegenüberstellte.

Werbung

Um mit Tschaikowski zu beginnen: Am ersten Abend nützte die junge Koreanerin Sun Young Seo, Gewinnerin des St. Petersburger Tschaikowski-Wettbewerbs 2011, Tatjanas Briefszene aus "Eugen Onegin" vor allem zur Präsentation ihres gewaltigen Stimmpotenzials. Tschaikowskis Symphonischer Fantasie "Der Sturm" nach Shakespeare fehlt es ein wenig an den prägnanten Formulierungen, die seine Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia" auszeichnen. Mit ihr begann das zweite Konzert, dem Gautier Capuçon als Solist von Tschaikowskis "Rokoko-Variationen" dann ein Glanzlicht aufsetzte. Der junge französische Cellist prunkte dabei insbesondere mit dem machtvoll strahlenden Ton seines Instruments und dem musikantischen Impetus seines Spiels.

Blitzende Funken
Eine Rarität hatte den Auftakt des ersten Abends gebildet: Igor Strawinskis Fantasie für großes Orchester "Feux d’artifice" op. 4. In nur vier Minuten entfacht der 26-Jährige darin ein faszinierendes Feuerwerk an sprühenden Klangkaskaden, rasch changierenden Farben und blitzenden Funken.

Den Gegenpol dazu bildete zum Abschluss dieses Konzerts die komplette Ballettmusik zu Strawinskis "Feuervogel". Der Komponist wusste sehr wohl, weshalb er in drei Suiten die formal geschlossensten Teile der Partitur zusammenfasste. Zwischen ihnen stehen jedoch ausgedehnte Abschnitte, die ihren Sinn nur aus dem Bühnengeschehen beziehen; allzu lang dehnten sich damit auch die 55 Minuten des Stücks.

Betäubende Emanationen
Bei Strawinskis "Sacre du printemps" zum Abschluss huldigte Gergiev noch einmal seiner Neigung zu dynamischen Exzessen, die gerade hier oftmals zu betäubenden, undurchhörbaren Klang-Emanationen führten. Insgesamt standen an beiden Abenden messerscharfe Akkordschläge neben sensibel ausgehörten Piano-Passagen. Das Orchester, wiewohl nicht in allen Positionen unverwundbar, fesselte doch durch Disziplin und manche solistischen Leistungen; allzu hart tönte zumindest für Wiener Ohren das schwere Blech. Dennoch großer Jubel!




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-22 16:50:15
Letzte Änderung am 2012-05-22 19:39:00



Werbung



Beliebte Inhalte



Georges Moustaki bei einem Auftritt in Frankfurt (1983). - APAweb / EPA/NABIL MOUNZER
  • Edith Piafs Welterfolg "Milord" stammt aus seiner Feder.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Verteidigt Wagner und kritisiert die Klassikwelt scharf: Endrik Wottrich. - Newald
  • Tenor Endrik Wottrich über Wagner, Schlingensief und kleine Stimmen.
  • weiter

Keine Stimmen aus Aserbaidschan, und schon wird es politisch beim ESC. - APAweb/EPA/Jessica Gow/SCANPIX
  • Russland empört über "geraubte" ESC-Stimmen aus Aserbaidschan
  • weiter

Aus dem Wunderkind Hilary Hahn ist eine der besten Geigerinnen geworden. - Foto: P. Miller
  • Wenige Stunden vor ihrem Auftritt mit den Wiener Philharmonikern ist Stargeigerin Hilary Hahn zu Gast im Ö1-"Klassik-Treffpunkt" im RadioKulturhaus.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

 Natalia Kelly sang. - EPA/Janerik Henriksson
  • Österreichs Beitrag von Natalia Kelly konnte Europa mit ihrem Song "Shine" nicht überzeugen.
  • weiter

Schorsch Kamerun untersucht in Wien den öffentlichen Raum als Heimstätte von  Demos und Flashmobs. - © Wiener Zeitung / Christa Hager
  • Der deutsche Musiker und Regisseur über Kunst, Politik und Sponsoring, Klischees in der Rockmusik, Facebook und seine Theaterarbeit.
  • weiter




Neues Album: Die einstigen Roboter-Futuristen von Daft Punk entdecken das Gestern

Keine Zukunft mehr

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black Die Entwicklung hin zum retroseligen Funk der Disco-Ära ist doch etwas erstaunlich. Immerhin standen Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo... weiter




The xx aus London brachten ihren intim-reduzierten Popentwurf erstmals nach Wien

Schwarz ist Trumpf

Intimität und wirtschaftliches Songwriting: The xx aus London begeisterten im Gasometer. - epa Die Band auf der Bühne darf getrost als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden. Zwar mochten The xx aus London mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum im... weiter




Die Pop- und Avant-Dings-Spezialisten The Residents live im Wiener Burgtheater

Konzeptkunst nach Dewey

Randy Rose und seine enigmatische US-Band The Residents (hier in Prag) bespielten das Wiener Burgtheater. - Vondrous/CTK/picturedesk Die Fans mit den strahlenden Augen in den ersten drei Reihen sind davon überzeugt, dass sich das Burgtheater heute schon zur Halbzeit leeren wird... weiter




Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung