Der Kontrapunkt ist bei Murray Perahia die Mutter der Harmonie: Sein Programm im Wiener Konzerthaus begann mit Johann Sebastian Bachs "Französischer Suite" BWV 816. Sofort stellte sich der Wunsch ein, jede Phrase noch einmal zu hören, so viel Eigenleben steckte in jeder Stimme.
Perahia schafft es (wie vielleicht nur noch Grigory Sokolov), das Klavier bei jedem Komponisten anders klingen zu lassen und dabei keine Stilgrenzen zu überschreiten. In wiegende Begleitfiguren setzte er die berühmte Melodie von Beethovens "Mondscheinsonate" - beredt deklamierend, jeder Ton an seinem Platz.
Vielschichtige Erzählkunst auch bei Schumanns "Faschingsschwank": Perahia baute über präzisen Basslinien hymnische Steigerungen. Nach Schuberts A-Dur-Sonate D 664 möchte man ewiges Klavierschülerverbot für dieses Werk aussprechen: Entwaffnend schlicht der erste Satz; in sich ruhend das Andante; im luftigen 6/8-Takt das Allegro mit Läufen wie Gebirgsbäche.
Große Charakterisierungskunst im abschließenden Chopin-Teil: Perahia gab der Polonaise op. 26/1 und der Mazurka op. 67/3 charakteristische Tempoverzögerungen. Das abschließende h-Moll-Scherzo op. 20 verband
Noblesse und raubtierhafte Sprünge. Perahia hat an diesem Abend beispielhaft gezeigt, welche Klänge aus einem Klavier gezaubert werden können.
Konzerthaus
Murray Perahia, Klavier
Werke von Bach, Beethoven, Schumann, Schubert, Chopin
Konzerthaus
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