Bewundernswert, wie ein Werk 76 Jahre nach Entstehen noch immer die Gemüter erregen kann. Umso bewundernswerter, wenn es einem Dirigenten gelingt, eine streng systematische Komposition der Zwölftontechnik wie Arnold Schönbergs Violinkonzert op. 36 auch für das breite Publikum zu einem Werk aus Fleisch und Blut zu machen.
So geschehen im Goldenen Musikvereinssaal. Daniel Barenboim gestaltete das Stück des mathematischen Mozart-sei-bei-uns mit den Wiener Philharmonikern als melancholisches, aufrührerisches und ab und zu romantisches Zeugnis lebendiger Musikgeschichte. Solist Michael Barenboim (Namens- und Gesichtsähnlichkeiten sind bei dem Sohn des Dirigenten nicht zufällig) fügte sich in das symphonische Geschehen ein. Er wurde, dem Geschmack der 30er Jahre ansatzweise entsprechend, zum wenig dominanten princeps inter pares.
Schwungvoller Faun
Zurück in die Welt der Harmonie und ihren Weg ins Neue. Im Vorfeld von Claude Debussys 150. Geburtstag (22. August) legten die Philharmoniker ein Zeugnis über impressionistische Klangmalerei ab. Mit Daniel Barenboims schwungvollem Dirigat ging das Orchester ganz im naturseligen Klangbild des "Nachmittags eines Fauns" auf. Mit seiner Inbrunst machte das Ensemble aber auch darauf aufmerksam, dass schon dieses "Prélude à laprès-midi dun faune", 1894 uraufgeführt, ein epochemachender Meilenstein aus der Feder Debussys war. Wobei hier genau wie bei "La Mer" nicht tondichterische Kraft das Besondere ausmachte.
Die perfekt umgesetzten Cello-Passagen in Debussys Seegischt erzeugten ätherische, fast esoterische Elemente. Die Geigen flirrten nur so durch die sengende Mittagshitze, der "Dialog zwischen dem Wind und dem Meer" gelang denkbar opulent.
Konzert
Wiener Philharmoniker
Daniel Barenboim (Dirigent), Michael Barenboim (Violine)
Wiener Musikverein
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