Wien. Wer am Mittwoch von der Arena nach Hause kam, ohne ein Foto von sich selbst mit Jesse Hughes ergattert zu haben, dürfte Teil einer Minderheit sein. Der Eagle Of Death Metal mit dem Prollbart und den breiten Beinen wurde seiner Rock-n-Rolle als Tunichtgut schon dabei gerecht, als er während einer der zahlreichen Vorbands zum Händeschütteln ins Publikum eilte. Hey, es ist hier auch noch ein echter Star am Gelände! Sehr zur Freude unseres Helden gehen ins neue Facebook-Profilbild drängende Frauen hier gleich in die Pornopose, während die Buben bevorzugt mit dem Becher bereitstehen. Zicke-zacke und: Prost, Oida!

Niedere Instinkte
Auch auf der Bühne gehört Jesse Hughes zu den wenigen Männern, die sich ihr Bekenntnis zum Rock n Roll heute noch ungeniert ausleben trauen. Songtitel wie "Cheap Thrills" oder "I Gotta Feeling (Just Nineteen)" erklären ebenso wie die Peniswitze dazwischen, dass es hier neben schlechten Sitten immer auch um niedere Instinkte geht. Aus tiefer Kehle gesungene und von schrittbetonten Vierviertel-Beats getragene Lieder über käuflichen Sex, unmögliche Gefühle oder die Liebe eines Mannes zu sich selbst mögen oft rüpelhaft klingen. Bei seinen Fans erweist sich der Mann aber auch insofern als höflich, als er sich für das ihm dargebrachte Marihuana bedankt und als kleines Vergelts Gott gut eingespeichelte Restzigaretten zurückschenkt.
Zum Auftakt des zweitägigen Festivals "The Full Hit Of Summer" ließen die Eagles Of Death Metal mit parodistischem Ernst also kein Auge trocken. Und sie sorgten als Headliner mit dem garagenrockistisch gedeuteten Gimme-Shelter-Sound der Rolling Stones für jene ausgelassene Stimmung, die nur gedeiht, wo das Niveau den Bach runtergeht. Live ging es zu viert und mit Hughes als launigem Einheizer (aber leider ohne Rockgott Josh Homme!) von der Bluesrock-Grundierung über Glamrock-Einsprengsel und flotte Boogie-Rhythmen mit Hang zur Kuhglocke hin zu den entscheidenden Dingen des Lebens: Der bündige Hauptsatz "I Only Want You" hat nichts mit Liebe zu tun, sondern nur mit Hughes Verlangen nach dem Derben, derb Einfachen und derb Geilen.
Todescountry
Aufgewärmt von Wolfgang Möstl (u.a. Killed By 9V Batteries), der mit Mile Me Deaf hocherfreulichen Lo-Fi-Pop reichte, und den beatbetonten Songs der Wiener von M185, standen zuvor auch noch Two Gallants auf der Bühne: Das Schlagzeug-Gitarren-Duo bot seine alttestamentarischen, an die Schuld-und-Sühne-Archaik eines Johnny Cash anknüpfenden Texte vom Highway zum Henker, als über die Geschichte von Punk und Alternative-Rock erweiterten Todescountry auch live überzeugend dar. Heute, Freitag, setzt es mit Kurt Vile, M. Ward und Beirut ein (noch) stärkeres Line-up.
Die Band auf der Bühne darf getrost als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden. Zwar mochten The xx aus London mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum im...
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Konsequenz: Wenn ein einziges Wort gibt, das die US-Band Shellac beschreiben kann, dann dieses. Denn Shellac sind konsequente Musiker in Takt...
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