Zweieinhalb Stunden lang die größten Hits von ihrem Liebling zu hören - der Donnerstagabend war für die rund 7000 Fans des Kanadiers Bryan Adams in der Wiener Stadthalle auf jeden Fall ein Gewinn. Denn der 52-Jährige Softrocker weiß genau, was sie sich von ihm wünschen, und gibt ihnen genau das; nämlich insgesamt 27 Songs, die sie alle nicht nur daheim auf CD, sondern auch schon hundertmal im Radio gehört haben - von "Here I Am" über "Cloud Number 9" und "Sommer Of 69" bis hin zu "Straight From The Heart" (einzig "Have You Ever Really Loved A Woman" fehlte in diesem Best-of). Auch wenn die ersten paar Lieder zwar sehr laut sind, aber irgendwie steril wirken. Was aber weniger an Adams und seiner langjährigen vierköpfigen Band (GItarrist Keith Scott, Drummer Mickey Curry, Bassist Norm Fisher, Pianist Gary Breit) liegt, sondern an dem in Schwarz-Weiß gehaltenen Bühnenbild, das wohl die Härte der Beats betonen sollte - dies wäre aber nicht notwendig, dann Mickey Currey haut sowieso von Anfang an in die Vollen und tobt sich im Mittelteil der Show dann auch noch auf Pfannen, Kübeln und Töpfen aus.
Eine Einlage, die ihm - wie schon zuvor und danach seine Soli - die Herzen des Publikums zufliegen lässt. Den auf die Bühne geworfenen obligaten BH bekommt trotzdem Gitarrist Keith Scott, der mehrmals als kongenialer Zwilling seines Bandleaders agiert: Mehrmals streichelt Adams ganz rechts außen auf der Bühne seine E-Gitarre, während Scott ganz links außen sein Instrument malträtiert. Ja, eine Gitarre möchte man nicht sein in Momenten wie diesen, auch wenn einer wie Scott sogar mit dem Mund seine Virtuosität unter Beweis stellt.
Überhaupt steht dieser Abend unter dem Motto: Jedem seine Soli. Und das zweite Motto lautet eindeutig: Wenn ihr schon schwitzt, dann wenigstens zu zweit, eng aneinander gekuschelt. Denn spätestens bei "Do I Have Ro Say The Words" finden sich etliche anwesende Paare im eng umschlungenen Lamourhatscher wieder und erleben im Kopf noch einmal die ersten zarten Schulskikurs-Annäherungsversuche. Und "Please Forgive Me" ist dann der endgültige Beleg dafür, dass Bryan Adams bei aller Wildheit der bessere Kuschelrocker als Bon Jovi ist.
Kurz davor tut er allerdings seiner Show keinen allzu großen Gefallen, indem er ein Mädel aus dem Publikum für ein "When Youre Gone"-Duett auf die Bühne holt. Denn er erwischt dabei ausgerechnet eine austrokanadische Social-Media-Managerin, die sich als perfekt englisch sprechende Selbstdarstellerin entpuppt - womit der Reiz, den dieser Gag etwa beim jüngsten Gastspiel des deutschen Teufelsgeigers David Garrett hatte, komplett dahin ist. Ergo erschallen aus der linken hinteren Ecke der Stadthalle alsbald "Laaangweilig"-Rufe in bester Homer Simpson-Manier. Facebook & Co. sind also offenbar doch nicht so cool, zumindest nicht bei einem Konzert wie diesem . . .
Dem Künstler ist dieses Zwischenspiel aber rasch verziehen, denn mit "Heaven" und kurz darauf "Only Love" entschädigt er die Hardcore-Fans für die in ihren Augen lästige Unterbrechung der Five-Men-Show. Und sogar die Zugabe ist vom Feinsten: "Alberta Bound" gibt genau die Heimatgefühle des übrigens auch in Wien aufgewachsenen Kanadiers wieder, und "All For Love" ist ein absolut würdiger Schlusspunkt, mit dem er indirekt auch klarstellt: Er macht das alles aus Liebe - aus Liebe zu seinen Fans. Und die danken es ihm, nicht mehr mit Feuerzeug- sondern mit Handydisplay-Lichtermeer.
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