• vom 08.07.2012, 13:58 Uhr

Konzert

Update: 08.07.2012, 14:02 Uhr
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In der Staatsoper fanden zwei hochunterschiedliche Pop-Abende statt

Zweierlei Dramen


Von Andreas Rauschal

  • Auf Rufus Wainwright folgte eine Nacht im Zeichen der Clubkultur.

Rufus Wainwright begeisterte am Jazzfest mit einer gewinnenden Werkschau. Tags darauf war in der "Electr.Oper" aber alles verkehrt.

Rufus Wainwright begeisterte am Jazzfest mit einer gewinnenden Werkschau. Tags darauf war in der "Electr.Oper" aber alles verkehrt.APAweb/EPA/Laurent Gillieront Rufus Wainwright begeisterte am Jazzfest mit einer gewinnenden Werkschau. Tags darauf war in der "Electr.Oper" aber alles verkehrt.APAweb/EPA/Laurent Gillieront

Der Mann neigt zum großen Theater. Am Freitag durfte man sich in der Staatsoper davon überzeugen, als Rufus Wainwright seinen Jazzfest-Auftritt noch im Dunkel begann und auf der Bühne nur ein klein wenig Kerzenlicht flackerte. Wainwright, von innigen Gruppengesängen begleitet, unterstrich die melodramatische Ader des Auftakts mit seinem prototypisch gedehnten Vortragsgestus: "The chuuuurches have ruuuuun out of caaaandels!"

Als das Licht anging und sich Wainwright weiter dem Material seines Albums "Out Of The Game" widmete, das er zuletzt  ungewohnt zugänglich angelegt hatte, erwies sich der Mann zunächst als nicht übertrieben charismatisch. In einem Sakko, für das sich womöglich selbst Elton John zu schade gewesen wäre, mit Glitzerhemd und Sonnenbrille wippte Wainwright sanft aus den Knien. Der mit großer Hingabe zelebrierte Streifzug durch sein Werk sorgte aber dafür, dass ihm die Oper zu Füßen lag, lange bevor er seine Meisterschaft auch am Klavier unter Beweis stellen sollte.

Launige Ansagen

Im Konzert betont der 38-Jährige immer auch seine Familienbande. Mit seinem Schwager als Bassisten der fünfköpfigen Band interpretierte er mit dem Lonesome-Rider-Bekenntnis "One Man Guy" seinen Vater Loudon Wainwright III. Vor allem aber eine Hommage an seine 2010 verstorbene Mutter Kate McGarrigle zeitigte einen Höhepunkt des Abends: "I Don’t Know" begeisterte in einer Version von Wainwrights ausdrucksstarker Backgroundsängerin Krystle Warren. Das neue Material des Songwriters kam als Radiopop der 70er-Jahre mit zartem Groove, Soul-Feeling und ein wenig Funk daher. Dazu setzte es mit "Song For You" einen hübschen L’amour-Hatscher – inhaltlich rang sich Wainwright mit dem als Ansprache an seine Tochter gehaltenen "Montauk" eine neue Facette ab.

Während Wainwrights Songs bevorzugt dick auftragen, brach er den dabei zur Schau gestellten Ernst mit launigen Zwischenreden und sarkastischen Kommentaren – "Going To A Town", seinen Abgesang auf das konservative Amerika, widmete er dem republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Kaum ein zeitgenössischer Songwriter hätte besser in die Staatsoper gepasst als Opernfreund Wainwright, dessen Selbstsicherheit sich im Zugabenteil mit einem unmikrofonierten Serge-Gainsbourg-Cover noch einmal manifestierte: "Ich komme, dir zu sagen, dass ich geh. Auch Tränen ändern nichts daran …"

Surrende Klänge

Tags darauf wurde das Haus am Ring von der Grellen Forelle für eine vom Jazzfest verschämt mitbeworbene Partynacht namens "Electr.Oper" gemietet: Das Konzept der Clubbetreiber, ein audiovisuelles Gesamtereignis zu inszenieren, startete nach technischen Problemen verspätet mit einem Konzert des Detroit-Techno-Helden Carl Craig im Verbund mit dem Dub-und-Techno-Enigmatiker Moritz von Oswald und dem klassisch geschulten Pianisten Francesco Tristano. Weil sich das Trio gut dreißig Minuten lang weigerte, Nts-Nts zu machen, um stattdessen surrende Klangsphären zu kultivieren, durfte sich das zügig zur VIP-Lounge eines Fuselvodka-Erzeugers drängende Publikum aber bald die entscheidenden Fragen stellen: Wann wird es denn zum Dancen? Wo kann ich mir die Nase pudern? Wie jetzt, es gibt hier nur Dixi-Klos?!

Nachdem Craig, Von Oswald und Tristano den Knopf für den Vier-Viertel-Beat doch noch gefunden hatten, entfaltete sich ein nie ekstatisches, mitunter aber hübsch groovendes Live-Set, dem ein Showcase der Crosstown Rebels hätte folgen sollen. Allein Amiralis uninspiriert zwischen Song und Track pendelnde Elektropop-Transformationen luden aber schon zur Saalflucht, der die Securitys mit verschlossenen Ausgangstüren (!) Kontra gaben. 

Ein Trauerspiel, das erst die Feuerwehr zu beenden hatte. Haben wir die Zukunft der Wiener Clubkultur gesehen? Nein, bei erheblichem Sympathiedefizit aber ihre unprofessionelle Seite.




Schlagwörter

Kritik, Konzert

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-08 13:59:59
Letzte Änderung am 2012-07-08 14:02:00



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