Silje Nergaard hat eine mädchenhafte Stimme, die mühelos von tiefen, dunklen Tönen zu glasklaren Höhen steigen kann. Ihre Musik ist eine Mischung aus Jazz, Pop, Rock und Folk – in erster Linie geht es ihr um schöne Melodien, wie sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" vor ihrem Konzert erklärt: "Ich bin in einem Haus aufgewachsen, wo Jazz und Pop gespielt wurde. Für mich gab es dabei kein Genre. Ich fühlte mich vor allem von guten Melodien angezogen, und ich wollte schöne Melodien schreiben. Für mich ist Qualität am wichtigsten."
Sechs Songs ihres aktuellen Albums "Unclouded" sang sie am Rathausplatz. Mit dabei ihre Cover-Version von "Human" von den Killers. Als sie diesen Song vor rund eineinhalb Jahren in New York in jedem Geschäft hörte, blieb ihr vor allem die Melodie im Gedächtnis – und auf diese konzentriert sie sich in ihrer Version. Begleitet wurde sie bei dem Konzert – wie auch auf dem Album – von den beiden Gitarristen Hallgrim Bratberg und Havar Bendiksen. Silje Nergaard kehrt damit wieder zurück zu ihren Wurzeln. War es doch ihr Vater, der immer auf der Gitarre spielte, als sie noch klein war. "Er sagte immer, er wäre der weltbeste Gitarrist und ich glaubte ihm. Später wurde mir klar, dass es noch viele andere großartige Gitarristen da draußen gibt. Also habe ich angefangen mit tollen Gitarristen aus Norwegen zu spielen und danach auch aus anderen Ländern." Ihr Debüt spielte sie mit Pat Metheny - und nun auf der aktuellen CD hat John Scofield einen Gastauftritt.
Nachdem sie in vergangenen Jahren mit größeren und kleineren Formationen aufgetreten ist, hat sie nun wieder Gitarren an ihrer Seite, kein Keyboard, kein Schlagzeug. "Es hat alles seine Zeit. Es war eine große Ehre für mich, ein Projekt mit dem Metropole Orchestra (Oslo, Anm.) unter dem Dirigenten Vince Mendoza zu machen. Mir war vor allem wichtig, immer mir selbst treu zu bleiben. Jetzt fühle ich mich gereift und stark genug, um alleine mit meinem kleinen Orchester aufzutreten."
Die Sängerin ist im Einklang mit sich und ihrer Stimme, ihre Songs erzählen Geschichten, von Dingen, die jeder kennt. Und obwohl sie sehr bekannt ist, tritt sie unprätentiös auf. Auf der Bühne lässt sie vor allem ihre Stimme wirken und vertraut auf das gute Zusammenspiel mit ihren Gitarristen. Und ihre Fans kommen gerne, auch wenn einige Platzregen am Sonntag die Stühle am Rathausplatz nass hinterlassen und den Soundcheck der Sängerin zwei Mal unterbrochen haben. Das Konzert selbst war eine gelungene Mischung aus ihren Hits, neuen Songs und interessanten Cover-Versionen von "The Moon is a Harsh Mistress", "Human" und Michael Jackson's "Black or White".
Vor der Riesenleinwand des Filmfestivals am Rathausplatz wirkte die Sängerin etwas verloren, das machte sie aber mit ihrer großartigen Stimme wett und sorgte gemeinsam mit den Musikern für eine grandiose Stimmung, die sich auch auf das Publikum übertrug, vor allem bei der rund 20-minütigen Version von "Black or White", in der der Song funkig interpretiert wurde. "Ordinary Sadness", "Gods mistakes" und der "Norwegian Boatsong" vom aktuellen Album haben sehr schöne, leise Melodien, die an diesem Sonntag einen angenehmen "Soundtrack" zu einem heiß-kalten schwülen und regnerischen Sommertag bildeten.
CD
Silje Nergaard: Unclouded (Sony)
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