• vom 09.07.2012, 15:40 Uhr

Konzert

Update: 09.07.2012, 16:58 Uhr
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Zwei hochunterschiedliche Pop-Abende in der Staatsoper

Zweierlei Dramen


Von Andreas Rauschal

  • Auf Rufus Wainwright folgte eine Nacht im Zeichen der Clubkultur.

Rufus Wainwright begeisterte am Jazzfest mit einer gewinnenden Werkschau. - © EPA

Rufus Wainwright begeisterte am Jazzfest mit einer gewinnenden Werkschau. © EPA

Wien. Der Mann neigt zum großen Theater. Am Freitag durfte man sich in der Staatsoper davon überzeugen, als Rufus Wainwright seinen Jazzfest-Auftritt noch im Dunkeln begann. Wainwright, von innigen Gruppengesängen begleitet, unterstrich die melodramatische Ader des Auftakts mit seinem prototypisch gedehnten Vortragsgestus: "The chuuuurches have ruuuuun out of caaaandels!"

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Als das Licht anging und sich Wainwright weiter dem Material seines Albums "Out Of The Game" widmete, erwies sich der Mann im Elton-John-Sakko zunächst als nicht übertrieben charismatisch. Der mit großer Hingabe zelebrierte Streifzug durch sein Werk sorgte aber dafür, dass ihm das Publikum bald zu Füßen lag. Im Konzert betont der 38-Jährige immer auch seine Familienbande. Mit dem Schwager am Bass interpretierte er das aus der Feder seines Vaters stammende "One Man Guy" - vor allem aber eine Hommage an seine 2010 verstorbene Mutter Kate McGarrigle zeitigte einen Höhepunkt des Abends: "I Don’t Know" begeisterte in einer Version von Krystle Warren. Das neue Material des Songwriters hingegen kam als 70er-Jahre-Pop mit zartem Groove, Soul-Feeling und ein wenig Funk daher.

Den Ernst seiner Songs brach Wainwright mit launigen Kommentaren. "Going To A Town", seinen Abgesang auf das konservative Amerika, widmete er etwa dem republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.

Partynacht in der Oper
Tags darauf wurde das Haus am Ring vom Szenelokal Grelle Forelle für eine Partynacht namens "Electr.Oper" gemietet: Das Konzept der Clubbetreiber, ein audiovisuelles Gesamtereignis zu inszenieren, startete verspätet mit einem Konzert des Detroit-Techno-Helden Carl Craig im Verbund mit Moritz von Oswald und dem klassisch geschulten Pianisten Francesco Tristano.

Weil sich das Trio 30 Minuten lang weigerte, Nts-Nts zu machen, um stattdessen surrende Klangsphären zu kultivieren, durfte sich das zügig zur VIP-Lounge drängende Publikum aber die entscheidenden Fragen stellen: Wann wird es zum Dancen? Wie jetzt, es gibt hier nur Dixi-Klos?!

Nachdem Craig & Co den Knopf für den Vier-Viertel-Beat doch noch gefunden hatten, entfaltete sich ein nie ekstatisches, aber hübsch groovendes Live-Set, dem ein Showcase der Crosstown Rebels hätte folgen sollen. Allein Amiralis uninspiriert zwischen Song und Track pendelnde Elektropop-Transformationen luden aber schon zur Saalflucht, der die Securitys mit verschlossenen Ausgangstüren (!) Kontra gaben.

Ein Trauerspiel, das erst die Feuerwehr zu beenden hatte. Haben wir die Zukunft der Wiener Clubkultur gesehen? Nein, aber ihre unprofessionelle Seite.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-09 15:47:06
Letzte Änderung am 2012-07-09 16:58:42



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