
Beruhigend eigentlich, dass echte Musik-Ereignisse sich nicht so einfach von A nach B übertragen lassen. Nikolaus Harnoncourt, der Arnold Schoenberg Chor und der Concentus Musicus widmen sich bei der Styriarte über Jahrzehnte schon der geistlichen Musik der Klassiker. Die Stiftskirche Stainz ist das auch akustisch vorteilhafte Ambiente dafür. Am Samstag nun wurde dasselbe Programm, das man dort Anfang Juli gegeben hat, zum Abschluss der "Ouverture spirituelle" bei den Salzburger Festspielen gegeben, im Dom, der berüchtigt ist für seine enorme Nachhallzeit. Mag sein, dass die Zuschauer auf arte einen besseren Eindruck hatten von Mozarts selten aufgeführter "Missa longa" KV 262 und von der Sakramentslitanei KV 243: Vor Ort wars eine akustische Quälerei.
Es ist übrigens klug, ausgerechnet Mozarts Missa longa heuer aufzuführen, gerade in Salzburg und im Gedenkjahr für Erzbischof Colloredo (200. Todestag). Dem dichtete die Nachwelt an, er habe Mozart aus Salzburg vergrault. Diese Messe kann man als ein tönendes Korrektiv des Geschichtsbildes hernehmen. Wie erfindungsreich Mozart in dem Werk das solistische "Benedictus" mit chorisch aufspritzenden Hosanna-Einwürfen verzahnt und was Harnoncourt daraus macht: Das hat man freilich nur damals in Stainz gehört.
Im ersten Salzburg-Konzert der Wiener Philharmoniker ist Valery Gergiev am Pult gestanden und hat sich einmal nicht als der große Knaller, sondern als feinsinniger Klangmaler ausgezeichnet. Originell das neue Gewand für Modest Mussorgskis "Lieder und Tänze des Todes". E-Gitarre, Cembalo, Marimbaphon - das hat sich der postmoderne Komponist Alexander Raskatov ausgedacht und zwischen die Lieder Orchesterminiaturen eingefügt, die das Gespenstische der Lyrik weiterspinnen. Der Tenor Sergei Semishkur hat mit einer effizienten Deutung aufgewartet, die aufs Krasse nicht noch eins draufsetzte.
Eingangs die "Psalmensymphonie" von Strawinski: Der Edelklang der Bläser und tiefen Streicher muss zur Herbheit dieser Komposition nicht in Gegensatz stehen. Die Interpretation hatte vielleicht genau deswegen viel Aura. Akkurat deklamierend die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor. In den Tag entlassen wurde man mit Sergej Prokofjews Fünfter Symphonie. Das ist ein Werk, das Gergiev sozusagen im kleinen Finger hat, dem er den nötigen neoklassizistischen Impetus mitgibt - und die Philharmoniker, merklich zu Brillanz aufgelegt in dieser Stunde, haben das Ihre an Melodiosität eingebracht. Was da alles an satztechnischen Einfällen durchkam!
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