• vom 31.07.2012, 16:27 Uhr

Konzert

Update: 31.07.2012, 18:12 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Hirtenglück mit üppigen Tönen


Von Christoph Irrgeher aus Salzburg

Sämiger Tenor: Rolando Villazón als Alexander der Große.

Sämiger Tenor: Rolando Villazón als Alexander der Große.S. Lelli Sämiger Tenor: Rolando Villazón als Alexander der Große.S. Lelli

Und tschüss!, höhnt die Winkehand. Ein paar Noten noch, dann ist das Gegenüber wirklich fort. Und das muss auch so sein, weil Mozarts frühe Oper "Il re pastore" fast nur Abgangsarien birgt. Hier gilt noch die alte Opera-seria-Regel: Jede Sänger-Bravour hat sofortige Selbstentfernung zur Folge. Einem weiträumigen Spannungsaufbau ist das, gerade bei dieser Handlung, freilich nicht förderlich: Alles leiwand im Hirtenland, nur ein paar Missverständnis-Wölkchen.

Werbung

Nach den Salzburger Premierenbrocken der Vortage kann dieser Zweistünder aber auch als Ruheinsel reizen. Und zu ruhig wird’s nicht. Trotz konzertanter Aufführung agieren im Haus für Mozart sozusagen Freilandsänger: In buntbemalten Gewändern (quasi Kostüm und Bühnenbild in einem) tollen sie um das Originalklangensemble, das William Christie leitet. Der neigt mit dem Orchestra La Scintilla der Oper Zürich zu drahtig drängenden Tempi, liebt auch den kräftigen Horn-Spotzer, doch öffnet er bisweilen der Poesie ein Zeitfenster. Dann spannt sich jener Melodiebogen hinreißend weit, der die Wiederholung von "L’amerò, sarò costante" einleitet. Martina Jankovás Sopran ist da eine Pracht: blitzblank, schneidig, beweglich wie ein Florett.

Information

Oper
Il re pastore
William Christie (Dirigent)
Haus für Mozart/Salzburger Festspiele
Wh.: Mittwoch, 1. August

Fast eine Besetzungspointe: Rolando Villazón als Alexander der Große. Denn so fremd wie der Feldherr im Schäferland wirkt dieser sämige Tenor in den filigranen Mozart-Koloraturen. Und die behandelt dieser Alexander mitunter auch fast so wie einen gewissen, legendären Knoten. Freilich: Sobald sich ein Schmetterton zelebrieren, szenischer Charme verbreiten lässt, ist Villazón wieder Weltstar. Und weil seine Kollegen hier mehrheitlich konvenierten, zog die Publikumsherde letztlich zufrieden ab zu den Tränken der Festspielstadt.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-31 16:32:06
Letzte Änderung am 2012-07-31 18:12:27



Werbung



Beliebte Inhalte



Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Schorsch Kamerun untersucht in Wien den öffentlichen Raum als Heimstätte von  Demos und Flashmobs. - © Wiener Zeitung / Christa Hager
  • Der deutsche Musiker und Regisseur über Kunst, Politik und Sponsoring, Klischees in der Rockmusik, Facebook und seine Theaterarbeit.
  • weiter

Keine Stimmen aus Aserbaidschan, und schon wird es politisch beim ESC. - APAweb/EPA/Jessica Gow/SCANPIX
  • Russland empört über "geraubte" ESC-Stimmen aus Aserbaidschan
  • weiter

Jon Bon Jovi stand glücklich im Regen. - APAweb/Herbert Pfarrhofer
  • Pollen konnten dem Sänger diesmal nichts anhaben.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter

Nachdem sich mehrere Zuschauer, von den drastischen Bühnenvorgängen geschockt, sogar in ärztliche Behandlung begeben hatten, ersuchte Meyer den Regisseur, seine Inszenierung zu modifizieren. Kosminski lehnte ab. - Foto: APAweb/Deutsche Oper am Rhein
  • Bühnenvereins-Präsident Zehelein kritisiert scharf die Düsseldorfer Oper.
  • weiter

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black
  • Auf "Random Access Memories" regiert der Disco-Sound von seinerzeit.
  • weiter

Am 22. Mai jährt sich der Geburtstag von Richard Wagner zum 200. Mal. Hier die Büste von Arno Breker in der Nähe des Festspielhauses in Bayreuth. - Foto: epa/Daniel Karmann
  • Auseinandersetzung mit Themen wie Individualismus, Außenseitertum und Aufarbeitung von Geschichte.
  • weiter

Schorsch Kamerun untersucht in Wien den öffentlichen Raum als Heimstätte von  Demos und Flashmobs. - © Wiener Zeitung / Christa Hager
  • Der deutsche Musiker und Regisseur über Kunst, Politik und Sponsoring, Klischees in der Rockmusik, Facebook und seine Theaterarbeit.
  • weiter

Eine Szene aus der umstrittenen "Tannhäuser"-Inszenierung der Rheinoper (Markus Eiche, linkst, als Wolfram und  Elisabet Strid als Elisabeth). - APAweb / AP, Deutsche Oper am Rhein, Hans Jörg Michel
  • Oper wird nur mehr konzertant aufgeführt.
  • weiter




Neues Album: Die einstigen Roboter-Futuristen von Daft Punk entdecken das Gestern

Keine Zukunft mehr

Das Duo Daft Punk findet sein Glück in der Disco-Ära: "Lose yourself to dance!" - David Black Die Entwicklung hin zum retroseligen Funk der Disco-Ära ist doch etwas erstaunlich. Immerhin standen Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo... weiter




The xx aus London brachten ihren intim-reduzierten Popentwurf erstmals nach Wien

Schwarz ist Trumpf

Intimität und wirtschaftliches Songwriting: The xx aus London begeisterten im Gasometer. - epa Die Band auf der Bühne darf getrost als Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden. Zwar mochten The xx aus London mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum im... weiter




Die Pop- und Avant-Dings-Spezialisten The Residents live im Wiener Burgtheater

Konzeptkunst nach Dewey

Randy Rose und seine enigmatische US-Band The Residents (hier in Prag) bespielten das Wiener Burgtheater. - Vondrous/CTK/picturedesk Die Fans mit den strahlenden Augen in den ersten drei Reihen sind davon überzeugt, dass sich das Burgtheater heute schon zur Halbzeit leeren wird... weiter




Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

Werbung