
Und tschüss!, höhnt die Winkehand. Ein paar Noten noch, dann ist das Gegenüber wirklich fort. Und das muss auch so sein, weil Mozarts frühe Oper "Il re pastore" fast nur Abgangsarien birgt. Hier gilt noch die alte Opera-seria-Regel: Jede Sänger-Bravour hat sofortige Selbstentfernung zur Folge. Einem weiträumigen Spannungsaufbau ist das, gerade bei dieser Handlung, freilich nicht förderlich: Alles leiwand im Hirtenland, nur ein paar Missverständnis-Wölkchen.
Nach den Salzburger Premierenbrocken der Vortage kann dieser Zweistünder aber auch als Ruheinsel reizen. Und zu ruhig wirds nicht. Trotz konzertanter Aufführung agieren im Haus für Mozart sozusagen Freilandsänger: In buntbemalten Gewändern (quasi Kostüm und Bühnenbild in einem) tollen sie um das Originalklangensemble, das William Christie leitet. Der neigt mit dem Orchestra La Scintilla der Oper Zürich zu drahtig drängenden Tempi, liebt auch den kräftigen Horn-Spotzer, doch öffnet er bisweilen der Poesie ein Zeitfenster. Dann spannt sich jener Melodiebogen hinreißend weit, der die Wiederholung von "Lamerò, sarò costante" einleitet. Martina Jankovás Sopran ist da eine Pracht: blitzblank, schneidig, beweglich wie ein Florett.
Fast eine Besetzungspointe: Rolando Villazón als Alexander der Große. Denn so fremd wie der Feldherr im Schäferland wirkt dieser sämige Tenor in den filigranen Mozart-Koloraturen. Und die behandelt dieser Alexander mitunter auch fast so wie einen gewissen, legendären Knoten. Freilich: Sobald sich ein Schmetterton zelebrieren, szenischer Charme verbreiten lässt, ist Villazón wieder Weltstar. Und weil seine Kollegen hier mehrheitlich konvenierten, zog die Publikumsherde letztlich zufrieden ab zu den Tränken der Festspielstadt.
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