Nachdem Elina Garanča am Dienstag in der Kollegienkirche Berios "Folk Songs" aus dem Jahr 1964 gesungen hatte, war Pause. Das war unvorsichtig programmiert, denn nicht wenige Leute sahen ihr individuelles Hörpensum erfüllt und es blieben fortan viele Plätze frei. Schade, denn es folgten noch einige Stücke, die unterdessen zum Kanon der Musik aus dem 20. Jahrhundert zählen: "Dérive 1" von Pierre Boulez zum Beispiel, dicht gewebte, auratisch instrumentierte Kammermusik, bei der das Klangforum Wien seinem Namen wieder einmal alle Ehre machte. Auch "Chain I" von Witold Lutoslawski ist ein Vorzeigestück. Da geht es darum, dass Aleatorik und Wollen des Komponisten durchaus unter einen Hut zu bringen sind. Das ist Musik, so mehrheitsfähig,dasssie getrost aus dem Radio tönen dürfte. Und das gilt auch für das restliche Programm: Lutoslawski hat eine reißerische "Mini-Ouvertüre" für Blechbläserquintett geschrieben, neoklassizistisch angehauchte Tanzpräludien für Kammerensemble und "Drei Fragmente für Flöte und Harfe", dieauchwie Butter ins Ohr fließen.
Schlichte Diva
Und im Zentrum also: Elina Garanča, so gar nicht Diva, sondern als eine, die mit Feingespür und Zurückhaltung Luciano Berios Gassenhauer "Folk Songs" vorstellte. Schlicht, charismatisch, nicht einmal zu viel an Gestaltungswille, aber raffiniert gestaltend in den geträllerten Refrains. Ein eigenes Kapitel sind der Ton-Satz, die pikant-raffinierten Kolorierungen und hintersinnigen Verfremdungen. Denen waren die Musiker vom Klangforum Wien beste Anwälte, und Pablo Heras-Casado hatte alles rhythmisch im Griff.
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