
Salzburg. Kleiner Konversationstipp für kunstsinnige Tischdebatten an der Salzach: "Alles schön und gut", werfe man ein. "Doch wie steht es heuer um die Mozartpflege?" Das macht nicht nur Eindruck, sondern auch Sinn. Auch der Dienst am Genius loci darf ja als Qualitätsparameter für die Salzburger Festspiele gelten. Und für eine Bilanz der Opernpremieren ist es derzeit noch zu früh.
Wie es bisher um Mozart steht? Nun ja: So prall das Programm von Neointendant Alexander Pereira, so gemischt die Ergebnisse. Erfreuliche etwa in Form der sublim verlangsamten "Zauberflöte" von Nikolaus Harnoncourt. Pech wiederum beim zweiten Dirigenten-Rückkehrer von Renommee, Claudio Abbado: Sein Orchestra Mozart Bologna machte dem Namenspatron wenig Ehr, als es die "Waisenhausmesse" von A bis Z unterschiedslos in tönenden Goldstaub hüllte. Abbados Talent zur dramatisierenden Deutung - es war an diesem Abend Schuberts Es-Dur-Messe vorbehalten.
Halbleerer Saal, voller Erfolg
Mozart-Glück wiederum im Mozarteum: Zwar war der große Saal am Dienstag höchstens nach Neue-Musik-Maßstäben gut, de facto nämlich nur halb gefüllt (siehe: pralles Festspiel-Programm), der Erfolg aber ein voller. Suchte Schönbergs Kammersymphonie die Hörerschaft anfangs inbrünstig heim (Leitung: Daniel Harding), spielte das Hagen Quartett hernach seine ganze Klangkultur aus: ein formvollendetes Wellenspiel der Lautstärken, wie die Melodiephrasen von Mozarts Klarinettenquintett durch das homogene Ensemble schaukelten. Auch musikantische Pointen (Scherzo, Finale) wurden da delikat serviert.
Den Hang zur sanften, weitgespannten Melodie teilte man mit Sabine Meyer: mit ihren geschmeidigen Spannungsbögen, der verinnerlichten Intensität und Akkuratesse eine instrumentale Mozart-Sängerin höchster Güte. Großer Jubel - in Bälde hoffentlich von mehr Besuchern beim nächsten Termin in der Hagen-Quartett-Reihe.
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