Äußerst kontrovers wurden die bisherigen Festspiel-Premieren aufgenommen. Doch für Händels "Tamerlano" gab es ausschließlich Jubel. Ovationen für Sänger und Musiker. Rein konzertant wurde das barocke Spektakel rund um den Kriegsherrn Tamerlano und seinen Widersacher Bajazet gegeben. Worum es genau geht? Na ja, da es keine Regie gab, lassen wir die genaue Handlung hier weg. Das Entscheidende: Auch ein nicht inszenierter Sänger vermittelt etwas, wenn er seine Rolle wirklich mit Herzblut interpretiert - was in Salzburg alle taten.
Weltstar bleibt Weltstar
Den Gewaltmenschen Tamerlano singt Countertenor Bejun Mehta hinreißend aggressiv und agiert dabei wunderbar linkisch. Ihm gegenüber steht oder rumpelt der ewige Weltstar Plácido Domingo über die Bühne. Domingo kann sich seit einiger Zeit ja nicht recht entscheiden, ob er lieber als Tenor oder als Bariton auftritt. Händels Bajazet ist Tenor - und was für einer! Mühelos füllt Domingo den Raum des Großen Festspielhauses, wobei er manchmal bei den Koloraturen etwas trickst, nämlich unpräzise intoniert. Aber Domingo bleibt eben Domingo. Durch ausgezeichnete Technik und nicht nur vokales Charisma gelingt ihm wieder einmal eine sensationelle Rollengestaltung. Er wirkt oft wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch.
Marc Minkowski dirigiert seine Musiciens du Louvre Grenoble. Man hört ein luftiges Wunderwerk, exzellent ist die Continuo-Gruppe. Minkowski lässt sie nur so schnurren und klimpern. Er erlaubt dort auch kleinere, recht moderne Freiheiten.
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