Die Hirtenszene aus der "Symphonie fantastique", weitgehend notengetreu in den Instrumenten und darüber der fromme Messtext aus dem Gloria, "Gratias agimus tibi"! Dem 21-jährigen Hector Berlioz wars in der "Messe solennelle" einen Versuch wert.
Der Jungspund mit romantisch überhitztem Schnellkochtopf-Gemüt hat einen spirituellen Eintopf angerührt, der sich später als nicht tauglich erwies für den Hautgout der französischen Musik. Also hat Berlioz die Noten vernichtet, doch nicht gründlich genug: 1991 ist plötzlich die Urschrift des verloren geglaubten Werks aufgetaucht.
Für den Ferragosto-Termin der Wiener Philharmoniker mit Riccardo Muti bei den Salzburger Festspielen hat man also diese kruden Noten einstudiert. Was für ein Werk, sprung- und launenhaft, unausgegoren. Motive, dramatische Floskeln, Instrumentationsdetails aus dem späteren uvre querfeldein neben- und übereinandergeschachtelt. So banal manchmal, dass man lachen muss, aber auch so grenzgenial effektvoll, dass man sich der (ausschließlich oberflächlichen) Wirkung gar nicht entziehen mag. Muti ist lustvoll und mit einigem Augenzwinkern voran gewatet in die Untiefen, die allerhand dramaturgische Effekte und einnehmende lyrische Momente bieten. Die riesenhaft besetzten Philharmoniker haben gespielt, als hätten sie nicht eben erst die "Carmen"-Premiere hinter sich.
Vor Berlioz zwei symphonische Dichtungen von Liszt, die Rarität "Von der Wiege bis zum Grabe" und "Les Préludes". Muti wusste sich in den lyrischen Wendungen eins mit dem Orchester, und einige Episoden ließ er auffallend pfiffig musikantisch angehen.
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