St. Pölten. Nachdenklichkeit ist die Gabe, sich das Leben selbst schwer zur machen. Das Frequency-Festival in St. Pölten bietet dazu schon reichlich Gelegenheit, noch ehe es begonnen hat. Wenn die Schlange junger Menschen an der Pressekassa wieder einmal die längste ist - Bierschank und Mobil-Toiletten miteingedacht -, stellt sich etwa die Frage, wie viele Mitarbeiter der Spatzenpost für eine superinvestigative Reportage heute vor Ort sein werden. Beim Betreten des Areals wiederum sorgt der britische Singer/Songwriter Ed Sheeran mit kuschelweicher James-Blunt-Harmonik dafür, dass einem irgendwie zum Heulen ist.
Für den Start seiner vierten Saison in Niederösterreich hat sich das Frequency eines neu ausgedacht: Unter dem scheinbaren Motto "Festivalbesucher, zum Zuhören gezwungen" lässt man heuer auch schon am Anreisetage aufspielen und konzentriert sich bei reduziertem Rambazamba auf nur eine Bühne. Dort treten immerhin Dan Auerbach und Patrick Carney als The Black Keys auf, deren forscher Bluesrock einer vergangenen Ära neues Leben einhaucht. Ausgehend von der Meisterklasse des Delta Blues atmete der Geist des Garagenrock durch das von gut abgehangenen Bottleneck-Motiven getragene Frühwerk des Duos, ehe unter Regie des US-Produzenten Danger Mouse erst mit Album Nummer sechs auch ein größeres Publikum erreicht werden konnte. Seither regiert die straffere Ordnung des Songs - live reicht die Band in einer Vierer-Besetzung entsprechend zum Kopfnicken ladende Hits wie den Glamrocker "Gold On The Ceiling" oder "Dead And Gone", bei denen heute auch Keyboards eine tragende Rolle spielen. Ein Set, so staubtrocken wie das Schotterareal vor der Bühne, so spitz wie Nachbars Lumpi ("Baby, Im howlin for you!!") und so unprätentiös, wie The Killers es auch nach einer Wiedergeburt als, sagen wir, Maulwürfe, niemals sein könnten.
Alternative Mainstream
Die Band um Brandon Flowers setzt alles auf die große Geste. Sie vertont den Glitzerfaktor ihrer Heimatstadt Las Vegas mit stadiontauglichem Alternative Mainstream, der die Menge mit dreierlei Schmähs bestens im Griff hat. Vom Indie-Rock mit 80er-Jahre-Referenzen, die auch live mit an "KiKa"-Erkennmelodien erinnernden Synthie-Sounds unterfüttert werden, geht es über die Missing Links zwischen Bruce Springsteen und U2 hin zum von Ex-Madonna-Produzenten Stuart Price gewischten Dancefloor: Subtil klingt anders.
Der gleichfalls beim Boss entlehnte Wunsch nach einem Ausweg aus den Verhältnissen in einem neuen Song namens "Runaways" täuscht am Ende über eine bezeichnende Tatsache aber auch nicht hinweg: Mitt Romney hat die Killers am iPod.
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